der Kraft, die überhaupt in uns liegt, zu gewinnen. Wer zufrüh an das Ausführen geht, wer wohl gar gleich von Anfang anseine Fugen vollständig niederschreiben will, oder auch nur imEntwerfen sich aufhalten lässt, um die erste Anlage recht voll(etwa wie unsre hier gegebnen Entwürfe) niederzuschreiben: vondem ist zu besorgen, dass er — vielleicht für immer — bei derArbeit erkalte und die Fuge ihm zu einer mechanischen Arbeitwerde, statt zu einer leben- und anlheilvollen Kunstaufgabe.
Stellen wir uns nun eine vollständige Fuge vor, so ist klar:dass die Durchführungen als Hauptmomente desGanzen gellen müssen;
denn sie enthalten ja die Hauptsache, das Thema. Ihueu gegen-über erscheinen _ •
die Zwischensätze als Mittelglieder,die dazu dienen, die Durchführungen zu verknüpfen und den Gangdes Ganzen zu vermitteln.
Durchführungen und Zwischensätze bilden in der Kegel einununterbrochen fortlaufendes Ganze; — oder, wenn sich im Laufedes Ganzen da oder dort ein Schluss bildet, so wird doch auf demSchlussakkorde selbst, oder gleich nachher, — ohne dass man ihmZeit lässt, sich recht fühlbar zu machen, — sogleich der weitereFortgang veranlasst. Dieser rastlose Fortgang ist dem Wesen derFuge, die wir uns als einen lebhaften Dialog über ein Alle anre-gendes Thema vorgestellt haben, angemessen.
In der Regel verweilt auch die Fuge, wie alle grossem Ton-slücke, nicht in einem einzigen Tone, sondern modulirt in ver-schiedne, zunächst meistens in die nächstverwandten Tonarten,indem sie entweder beiläufig in sie ausweicht, wie in den bisheri-gen Sätzen zu sehen ist, oder förmlich in eine neue Tonart über-geht, um sie zum Sitz einer neuen Durchführung (also eines Haupt-momentes) zu machen. So tritt also auch die Fuge unter das unslängst bekannte Modulationsgesetz. Dasselbe muss jedoch eine be-sondre Modifikation erfahren, weil gleich die erste Durchführung(und in der Regel die meisten andern) zwei Tonarten zugleich be-nutzen, nämlich die Dominante der Tonart, in welcher der Führersteht, für den Gefährten.
So treten uns nun die Fragen in den Weg:
1) wie viel Durchführungen sollen wir in einer Fuge ma-chen?
2) wie sollen wir sie und die Zwischensätze bilden?
3) wie sollen wir das Ganze ordnen?
Hierüber müssen wir uns verständigen, ehe die Arbeit begin-nen kann.
Es versteht sich von selbst.