Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
342
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In gleicher Weise wird dann die dritte und so alle übrigen Stro-phen behandelt. Das Ganze bildet also eigentlich eine Kette vonFugensätzen, deren jeder ein besondres Thema enthält und die untereinander erstens durch das fortgehende Slimmgewebe, zweitens da-durch, dass alle Themate demselben Choral entnommen sind, eineinheitsvolles Ganze ausmachen. Eben um diese Einheit klarer her-auszustellen, wird der Cantus firmus am Ende jedes einzelnen Satzesgern in der Vergrösseruug aufgeführt, so dass alle vergrössertenThemate (Strophen) sich wie Gipfel aus dem Strome der Stimmenemporheben und dem Gedanken nach aneinander reihen. Indess ver-steht sich, dass man auch auf die Vergrösserung und die dadurch zugewinnende Heraushebung des Cantus firmus verzichten kann.

Auch hier bedarf es nicht einer besondern Unterweisung, son-dern nur einiger, aus der Sache selbst leicht zu fassender Winke.Denn das Wesentliche ist nichts Andres, als was wir bereits beiden frühem Fugenformen gelernt haben.

Zunächst also ist es rathsam, besonders Anfangs nicht zulange und laugstrophige Choräle zur Bearbeitung zu wählen, dazuviel Durchführungen, und zwar mit Vergrösserung des jedesma-ligen Themas, nebst den erfoderlichen Zwischensätzen leicht eineungebührliche Länge des Ganzen verursachen. Nur wer seinerKraft und Kunst sicher ist, darf hoffen, in so langer Arbeit zugenügen und die gefährliche Probe zu bestehen, so viele Anfänge(denn jede Durchführung ist gleichsam ein neues Tonstück) zu einemeinheitsvollen, uugeschwächt und ungestört fortströmenden Ganzenzu verbinden.

Sodann ist zu prüfen, ob auch jede Strophe des Chorals fä-hig ist, ein Fugenthema zu werden. Selten entsprechen alle Stro-phen eines Chorals den Anfoderungen, die wir an ein Fugenthemamachen müssen, vollkommen; schon der einförmige Rhythmus allerThemate ist, für sich betrachtet, ein ungünstiger Umstand. Esist also wenigstens dahin zu sehen, dass keine Strophe geradezuunfähig sei, ein Fugenthema zu werden. So würden z. B. in demChoral: ,,Wie schön leuchtt uns der Morgenstern (abgesehenvon der Strophenzahl es sind ihrer sieben) die vierte und fünfteStrophe weder einzeln noch verbunden ein irgend genügendes Fu-genthema abgeben. Indess wird auch unter so ungünstigen Um-ständen Kunstgewandtheit und Scharfsinn Auswege finden, wenneinmal ein so ungeeigneter Choral fugirt werden soll. Man könnteauch diesen Strophen durch eine freie und reiche Gegenstimme oderein zweites Thema (wovon bei der Doppelfuge zu reden) noch allen-falls eine Seite der Behandlung abgewinnen.

Ist nun der Choral gewählt, so muss drittens bedachtwerden, dass jedes Thema nur einmal durchgeführt wird. Man hat