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gegenüber der Gegensalz angeschlossen werden. Von diesem Augen-blick an gilt kein Zaudern mehr. Die lebendige Bewegung vonThema und Gegensatz muss in die Seele des Arbeitenden überge-gangen sein und darf da nicht erkalten und stocken. Ein scharferund flüchtig weiter verlangender Blick muss ihm sagen, ob sogleichdie dritte Stimme, oder erst ein Zwischensatz folgen solle; derZwischensatz muss unmittelbar aus den vorangegangnen Hauptsätzenherausströmen oder (No. 283) hervorgelockt werden, wie wir anden Figuralformen gelernt haben. Dann muss ohne Hast und Zwang,wo es sich eben thun lässt, die dritte und vierte Stimme einge-führt und schnell gefühlt oder mit einem überlegenden Bückblickauf das Ganze entschieden werden, ob sogleich der Schluss, odereine Fortführung erfolgen solle. Die letztere ist wieder eine Folgeund Fortsetzung aus der Durchführung, wie der vorige Zwischen-satz (oder die unsern in No. 472 und 474) und macht unmittelbarden Schluss, oder bringt eine zweite und letzte Aufführung desThemas in einer oder mehr Stimmen zum Schlüsse.
Da es im drangvollen Wesen der Fugensätze (S. 299) liegt,ohne liedmässige in allen Stimmen gleichzeitige Abschnitte fortzu-schreiten : so muss sich dieses Prinzip schon am Entwürfe selberäussern. Nirgends darf er abbrechen, nirgends soll der Arbeitendesich längere Zeit einer einzigen Stimme anvertrauen *). Jeder ebenthäligen Stimme muss eine andre entgegenkommende oder entge-genwirkende, — wenn jene aufhörlj fortgehende und wieder eineandre herbeirufende sich zugesellen. Und ist es nicht immer mög-lich, einen vollkommnen Gegensatz auf der Stelle ausfindig zumachen, so muss wenigstens irgend ein Motiv dazu — und war’es ausser allem Zusammenhang — in eine dazu geeignet scheinendeoder vielleicht lange versäumte Stimme geworfen w'erden. Die Aus-arbeitung wird schon diese einzelnen Funken zu einem vollenBrand anschüren. Wäre uns z. B. in No. 474 der Gegensatz zudem Thema nicht klar gewesen, so hätten wir wenigstens dasMotiv (No. 470, a) noch weiter festzuhalten gehabt; unser Ent-wurf würde auch so etwa —
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*) Gretry in seinen Denkwürdigkeiten erzählt, wie er das Geheimnissder Fugenkunst entdeckt habe. Man solle nur das Fugenthema aus einerStimme in die andre schreiben, und wenn das lange genug geschehen sei, dieStimmen ausfüllen; dann habe man eine Fuge. — Ja; so gewiss man an einemKreuze die lebendige schöne Menschengestalt hat. Es ist dem leichten Franzosen(vergl. s. Biographie v. Verf. im Universal-Lexikon der Tonkunst) nichts weiterentgangen, als gerade die Hauptsache: die lebendige Wechselwirkung der Stim-men und die Macht des Themas, sie alle zu beseelen und jede ihrer Aeusserun-gen hervorzurufen zu einem vielfachst einheitvollen Lebenstrome. — Und wieoft sehen wir noch jetzt die Unterweisung der Künstler von jenem todten Prinzipgeleitet und bedingt!