Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
300
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Nun würde es aber ermüdend und in vielen Fällen sogar un-möglich sein, unaufhörlich eine Durchführung auf die andre folgen,unausgesetzt das Thema hören zu lassen. Es treten also zwischenden Durchführungen Zwischensätze auf, die deu Uebergang,die Vermittlung von einer Durchführung zur andern machen, zu-gleich aber grössere Mannigfaltigkeit in das Ganze bringen und dasThema, wenn es einige Zeit geruht hat, um so bedeutsamer wie-dererscheinen lassen.

Genau betrachtet (S. 238), ist eine Durchführung schon mitden beiden ersten Stimmen vollendet; denn in ihnen haben wirFührer und Gerührten vernommen, und die folgenden Stimmen wie-derholen nur einen oder den andern. Auch wird es in den Fällen,wo der Gefährte im Dominanttone schliesst, nicht immer angehen,dass unmittelbar nach dem Schlüsse des Gefährten der Führer wie-der im Hauptton auftritt; oder es wird uns ein Aufhalt in derDurchführung aus andern Gründen zweckmässig scheinen. In allendiesen Fällen können wir schon hier einen Zwischensatz einführen;ja aus besondern Gründen, auf die wir später zurückkommen wer-den, kann dasselbe auch zwischen der dritten und vierten (S. 317)oder fernem Stimmen geschehn.

Der Zwischensatz ist, wo er auch eintrete, die fortgesetzteFugenarbeit ohne das Thema, das heisst: freie Figuration; und fürsie bedarf es keiner neuen Anleitung. Es fragt sich nur: welchenInhalt diese Figuration haben soll? Da sie eine Fortführungaus Thema und Gegensatz ist, so knüpft sie naturgemäss andiese an, führt deren Inhalt w r eiter aus und ergreift in der Regeldas letzte Motiv des Themas oder Gegensatzes am liebsten, weilja dieses eben in Wirksamkeit war. So ist in No. 316 geschehen.Der erste Gegensatz (Takt 3) greift das letzte Motiv des Themas,a, auf und wiederholt es, mehr oder weniger verändert, zweimal.Dann macht sich dem Thema im Bass gegenüber also im Ge-gensatz ein ebenfalls aus dem Thema genommnes Motiv, b,geltend, gestaltet sich etwas um zu c und d und w r ird Inhalt deszweiten Zwischensatzes im letzten Takte. Es leuchtet ein, dassdies die nächstiiegende und darum im Allgemeinen vorzuziehendeAnknüpfung des Zwischensatzes ist.

Genügt nun das so ergriffne Motiv nicht, oder hat man Gründe,sich mit ihm nicht einzulassen, so ist dann das Nächste, irgendein andres Motiv aus dem Thema oder Gegensätze zu nehmen.Das Erstere ist dann im Allgemeinen desswegen vorzuziehen, weildamit der Inhalt des Themas auseinandergesetzt, und in seineneinzelnen Theilen genauer durchgenommen, durchgearbeitet wird;so dass man auch da mit dem Thema beschäftigt ist, wo es nichtselbst und vollständig auftritt, und das Ganze von noch grösserer