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also auch die Fugenformen in religiöser Musik entsprechen. Manerinnere sich der mannigfaltigen Aufgaben, die in Oratorien gesetztwerden; und der Treue und Wahrhaftigkeit, mit der unsre Mei-ster, ein Bach, Händel u. A., sich ihnen unterzogen haben.
Endlich sei noch vor einer dritten äusserlichen Rücksicht ge-warnt, die man oft anrathen hört: man solle die Fugensätzerecht populär schreiben. Unter populär aber versteht man,was von Jedermann ohne Vorbereitung und Anstrengung recht be-quem aufgenommen oder hingenommen werden kann. Die Fugen-arbeit bleibt allerdings auch für den Aulfassenden ein ernsterer,gewichtigerer Gegenstand; es liegt in ihrem polyphonen Wesen,dass sie nicht so leicht und allgemein gefasst werden kann, als einhomophoner Satz, den man schon ziemlich begriffen hat, wennman nur die Hauptstimme vernimmt. Aber diese Schwierigkeit liegteben in ihrem Wesen, und wird sich nie ganz beseitigen lassen.Wo sie nun nicht nöthig, nicht von der Idee des Kunstwerkes ge-fodert ist, da mag man sie nicht nur, man muss sie meiden, wieAlles, was der Idee des Werkes nicht angehört. Wo sie aberdem Zweck entspricht, wo sie -wesentlich ist, da soll der Künstlertreu sein der ihm gesetzten Aufgabe und die Fugenform in allerihrer Kraft, wie der Gegenstand es fodert, hinslellen. Das istKünstlerpflicht; und keine andre Rücksicht verträgt sich mit ihr.Ohnedem ist es Halbheit, irgend eine Kunstform, z. B. die Formder Fuge, wählen und dabei nicht in ihrer vollen Kraft sie vollen-den wollen. Damit kann ein Fugensatz wohl schwächer und un-wirksam werden, aber fasslich wie ein homophones Tonstück dochnicht; besser war’ es dann, die ganze Form aufzugeben und bloshomophon zu schreiben.
Wir wollen also schon Thema und Gegensatz so vollendet unddem Sinn der Aufgabe gemäss, wie möglich, ausbilden, ohne alleäussere Rücksicht. Nur so ist in der Kunst wahres Gelingen, und— wenn wir an Wirkung denken wollen — nur so die rechte undvolle Wirkung möglich.
Siebenter Abschnitt.
Der Zwischensatz.
Wir wissen schon (S. 240), dass ein Fugensatz aus mehr alseiner Durchführung bestehen kann. Diese verschiednen Durchfüh-rungen stehen aber nicht abgesondert von einander da, so dassjede, etwa wie die Theile eines Liedes, für sich schlösse. Sie bil-den vielmehr ein ununterbrochnes Ganze.