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„Trotz der Gruft der Erden“) wird die ganze Choralmelodie durch-gefiihrt, offenbarlich in der Form, wie man in der Kirche Choral-strophen und Zwischenspiele mit einander wechseln lässt, — sogardie gebräuchliche Form solcher Zwischenspiele andeutend, das Ganzeaber von dem Meister in die hohe Sphäre seiner Glaubensmachtund Heiligung gehoben. Der Cantus firmus liegt nicht in einer ein-zigen Stimme klar vor, sondern mehr verhüllt theils in der ersten,theils zweiten Stimme. Das Ganze ist ein Meisterstück voll desstärksten, weiterhin des zartinnigsten Ausdrucks, von dem jedeStimme, Harmonie und Rhythmus, ganz erfüllt sind. Durch dieseglaubenstrotzige, dann wieder innig und eigen bewegte Sprachedringt vernehmbar genug und doch wieder rälhselhaft verborgen diealtvertraute Liejjesweise; und es ist tiefsinnig und rührend, wieBeides sich im kirchlichen Gemüthe des ehrwürdigen Meisters 'mitder gewohnten und überall geweihten äussern Form evangelischenGemeinegesariges verband.
Zuletzt sei noch die höchste Anwendung und Verherrlichungunsrer Form dem edelstrebendeu Jünger als eines der Sternbildergewiesen, die unser Aller Bahn leuchten. Es ist der Einleitungs-chor zu der Matthäischen Passion von Seb. Bafch. Hier vereinensich im Wechselgesang zwei volle Chöre und zwei Orchester in derKlage um den Heiland. Und wenn beide aus den Anfängen einzel-ner Stimmen zu der Höhe und Fülle ihrer Toumacht angeschwelltsind: intouirt die heilige Zion über ihnen, von ihnen emporgetragen,das ewige Lied unsrer Kirche: ,,0 Lamm Gottes unschuldig.“
Nur einem allseitig ausgebildeten und seines Gegenstandes vol-len Geiste wird solches Höchste gegeben. Es nachahmen oder ab-lernen wollen, ist ein entweihendes und sich selber strafendes Miss-verstehen der ganzen Kunst und ihrer Lehre. Nur das ausdauerndsteund vollständig nach allen Seiten geführte Studium ist die rechteAusrüstung, die uns dann bei wahrem Beruf, in rechter Stunde,Gelingen — und sehnsüchtige, ewig rastlose Wünsche nach höhermVollbringen, — „Denn wem gelingt es!“ — hoffen lässt.Dann wird jede alte Form uns neu und jede neue uns gerecht undheimisch sein in wahrer künstlerischer Freiheit.
Anhang*
Es ist hier noch einer Gestaltung kurz zu gedenken, die sichdem Choral im gottesdienstlichen Gebrauch anschliesst, obwohl sieeigentlich nicht zu den Kunslformen gerechnet werden kann: derZwischenspiele, mit denen der Organist in gottesdienstlicher