Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
164
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hervorgegangnen Werke Bach's, sondern eben nur eine der vielenDienstleistungen ist, die er seiner Kunst und seinem Amt erwiesenbat: so erkennen wir erst mit voller Lieberzeugung und Freudig-keit die Macht

des Prinzipes ßachscher Komposition,

das aber

das Prinzip aller Meisterjeder Kunst und jeder Zeit, und dasjenigeunsrer Kompositionslehre

von ihrem ersten Schritt an bis zu Ende ist, die Grund-regel, welche wir in tausend Anwendungen unverändert und un-erlässlich dem Jünger vorgehalten haben. Jedes wahre Kunstwerkist im Geheim eine streng-logische, wenn auch nicht voll-ständig ausgesprochne Gedankenfolge. Aber die Gedanken tretenvor den Geist des Künstlers nicht in Begriffsform, sondern inFleisch und Blut geboren als lebendige Gestalten; er schautund empfindet sie, er schaut und empfindet durch sie, underst wenn er sie geboren und ausser sich hingestelll hat, kann ersich begriffsmässig ihrer bewusst werden oder auch sie in ihrerUnmittelbarkeit vor sich bestehen lassen. Immer aber bleibt dieses verhülltere oder offenbare Bewusstsein des Künstlers Leiterin;uud es muss und kann erzogen, gestärkt, vielseitigst entwickeltwerden, das ist das einzige Geschäft der Kunstlehre.

Aber eben diese Doppelnalur des Kunstwerks und der Kunstselbst, dass sie eigne lebendige Gestalt und doch wiederum nurAeusserung eines geheimen Wesens in ihrem Innern dass siefreies Eigenlhum des Künstlers, und doch auch der allgemeinenVernunft und dadurch dem Menschengeschlecht angehörig ist: dasist ihr Mysterium und der Ursprung aller Verkennung, derentausend Verwandlungen und Aeusserungen nur aussprechen, dassman das Erscheinende, oder dass man den begrifflichen Inhalt alsdas Alleinige oder allein Wesentliche angenommen, die Zweiei-nigkeit der Kunst nicht begriffen hat, und daher noch wenigerim Stande war, das Dritte noch Hinzukommende zu fassen.Haben wir uns von der Lebendigkeit der Polvphonie und demso einfachen und so innerlich vollendeten Werke Bachs zu allge-meinem Betrachtungen verlocken lassen : so leuken wir mit einigenspeziellem Bemerkungen wieder auf die Bahn unmittelbar künstle-rischer Thätigkeit zurück. Wir dürfen uns kurz fassen.

Jedem Ton des ßachschen Cantus firmus steht in der Grund-stimme ein Doppelmotiv von acht Tönen gegenüber. Wir fandendies bei No. 157 und 158 bedenklich. Hier aber verhütet schonder mitwirkende Gesang der Wechselstimmen, dass jene Figur nichtblosses Tongedrehc wird.