Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
149
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fingt, alle Figuraistimmen in ihrem gleichen Rechte zu erhaltenund von den bestimmtem Abschnitten wieder in weitre Massen derFiguration überzugehen, um den Cantus firmus auf freiem Stromeder Stimmen daher zu führen.

Kurz, bei jedem Schritte vorwärts erkennen, wir deutlicher dieUnerschöpflichkeit dieser Form, und zwar nicht blos für

immer neue,

sondern auch für

immer ausgedehntere

Gebilde. Wir haben uns zwar in den vorstehenden Fällen, sowohlwas die Erfindung als was die Ausdehnung betrifft, an das Nähereund Engere gehalten; allein demungeachtet ist kaum ein Takt ge-schrieben worden, der nicht viel weiter, und bei glücklicher Be-handlung in die reichsten und ausgebreitetsten Bildungen führenkönnte. Es ist nimmer zu befürchten, dass dem gebildeten GeisteMittel fehlen könnten, sich in den weitesten Tonmassen zu bethä-tigen. Eher hat man zu sorgen, nicht weiter zu gehen, als dieAufgabe verlangt und die erste Erfindung (das Motiv) werth ist;und, je weiter man sich ausbreitet, desto mehr das Ebenmaass derverschiednen Partien zu beachten.

Achter Abschnitt.

Der Cantus firmus in andern Stimmen.

Hier ist endlich der Ort, eine alte Schuld zu tilgen-

Schon im ersten Theil (S. 330) haben wir uns darauf einge-lassen, den Cantus firmus in Mittel- oder Unterstimmen zu behan-deln; wir mussten aber anerkennen, dass unsre damaligen Mittelungenügend seien, dieses Unternehmen künstlerisch zu vollführen,da wir noch nicht im Stande waren, den Cantus firmus, sobald erdie Oberstimme verliess, vor den übrigen Stimmen gebührend her-austreten zu lassen.

Jetzt haben wir dafür genügende Mittel. Der einfache Cantusfirmus wird mit seinen gleichförmig und lang gehallnen Tönen sichden beweglichem Figuraistimmen gegenüber überall unterscheidbargellend machen. Und sollten wir nicht hoffen, ihn mit Takttheil-noten (eine gegen drei, vier, sechs des Motivs durchzubringen, sokönnen wir ihm noch längere Töne geben.

Zu dieser neuen Reihe von Leistungen bedarf es keiner neuenLehre, sondern nur einer Ueberlegung und Aneignung der Mittel,wodurch unter veränderten Umständen der bekannte Zweck derFiguration erreicht, ein cinheitvollcs freies Spiel der Figuralslim-