Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

Zweite Alitlieiluii§.

Die angewandte Liedform,

Nach der umsländlichen Durcharbeitung der freien Liedformenist es nicht nothwendig, alle bekannten Anwendungen der Liedformdurchzugehen; dies mag dem Fleiss und der Lust des Jüngers undgelegentlichen Anregungen anvertraut werden. Für den Bildungs-zweck werden nur diejenigen Anwendungen hervorgehoben, die inihrem eigentlichen Karakter eine besonders fördernde Kraft für denErfindungsgeist des Schülers haben. Die fördernde Kraft beruhtaber darin, dass irgend ein scharf bestimmtes Ziel und dafür einescharf bestimmte Richtung vorgeschrieben wird, die alle flatterhaftenoder unbestimmten Gedanken ausschliessen und zu scharfer Sonde-rung und Auffassung nöthigen. Dabei übt man sich schon früh,das Karakterislische, bestimmt Treffende zum Augenmerk zu setzen,gewöhnt sich, eine bestimmte, eigne Stimmung festzuhalten, seineKräfte auf Einen Punkt zu richten, sich zu sammeln. Ohnehinfinden wir bald Anlass und Anreizung genug, uns in unbestimmtemEmpfinden und Tonbilden gehen zu lassen.

Erster Abschnitt.

Der Marsch.

Die Musik des Marsches hat zunächst die Bestimmung, denEinhertrilt einer Menscheumasse zu regeln und zu lenken; es müs-sen also die beiden Auftritte, und zwar ein festerer und ein loserer(bei dem Militair; Linker, Rechter) bestimmt und klar angegebenwerden. Daher ist der ursprüngliche und günstige Takt für denMarsch der Zwei - und nächst ihm der Viervierteltakt. Der erslereist bestimmter, ganz genau der Sache angemessen, der letzteremacht sich breiter und dabei auch wohl grossartiger. Die einfachsteWeise wäre wohl die, die Takttheile bestimmt und scharf gesondertanzugeben, z. B. ein Satz, wie der folgende.

Marx, Komp. L. II. 3. Auf).

6