Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
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des Kunstwerks; Form ist die Weise, wie der Inhalt des Werks die Empfindung, Vorstellung, Idee des Komponisten äusser-lich, Gestalt worden ist, und man hat die Form des Kunst-werks näher und bestimmter als die Aeusserurig, als dasAeusserlich- Gestalt werden seines Inhalts zu be-zeichnen.

Hieraus folgt nun, dass es so viel Formen geben kann, alsKunstwerke, obwohl ganze Massen dieser einzelnen Formen, wiewir schon oben beispielweise angeführt, in gewissen Haupt- oderwesentlichen Zügen übereinstimmend sein können und dies wirklichsind. Der Inbegriff nun der Grundzüge, in denen eine Masse ein-zelner Kunstwerke übereinslimmt, heist

Kunstform.

Es ist schon aus dem obigen Beispiel klar, dass es solcherKunstformen mehrere oder viele geben kann. Ja, wer die Uner-messlichkeit und Unbegränzbarkeit des geistigen Lebens kennt undseine Thätigkeit in den Aufgaben des ersten Theils beobachtet hat,wird schon voraussetzen, dass die Zahl der Kunstformen nicht zubegränzen ist, dass immer neue erfunden werden können*). Erwird aber aus unserm Verfahren im ersten Theil auch schon er-rathen, dass es gewisse Hauptformen, von diesen abgeleiteteund aus verschiednen Haupt- oder abgeleiteten Formen zusammen-gesetzte oder Mischformen geben muss, durch deren Unter-scheidung es erst möglich und leicht wird, die unermessliche Reihevon Gestalten zu überschauen und sich anzueignen.

Die Aufgabe dieses zweiten Theils der Kompositionslehre kön-nen wir nun näher dahin aussprechen: dass hier die Kunstfor-men gelehrt, eine

Formlehre

gegeben werdeu soll.

') Es ist an sich weder ein Verdienst noch ein Fehler, wenn Komponistenneue Formen bilden, sondern es fragt sich jederzeit und in jedem einzelnenFalle nur: ob die Form neu oder alt dem Gedanken vollkom-men entspreche. Nur dann ist ein wahres Kunstwerk vorhanden, sonstnicht, mag die Form auch noch so geschickt nacbgebildet sein. Ist aber eineneue Form mit Nothwendigkeit hervorgetreten, dann ist sie allerdings als eineErweiterung des Kunstgebiets zu achten. So hat sieh Beethoven in mebrernvorzüglichen Kompositionen ganz mit den schon feststehenden Formen begnügenkönnen, in andern Werken hat er dieselben fester ausgeprägt oder erweitert,in einigen ganz neue Formen bilden müssen, die der Knnst neue Wege undIdeenreihen erschlossen haben. Auch der Verf. ist (z. ß. im Mose, in denvierhändigen Fantasien, in der Sonate in E. u. si.) auf neue Formen oder neueWendung schon vorbandner geführt worden; und hat darüber nur das Be-wusstsein auszusprecben, dass dies nicht gesucht, sondern innerlich und künst-lerisch bedingt wurde.