VII
wusslsein, wenn es so hartlreffender Anfrage ausgehallen, wehrtdem ächten Jünger dann jede beugende Sorge ab; die reine Wid-mung, die ihn der Künsllerbahn eignet, ist unbefleckt von fremdemBegehr und ungekränkt von äusserm Verluste; sie ist unwiderruf-lich und unerschütterlich, wie die Liehe, die sie hervorrief.
Aber, meine Freunde, es wird noch Schwereres gefodert: wirmüssen uns selbst überwinden, jenen übermächtigen Drang, deruns in die Balm hineinbrach, der unsre Künsllerkraft selbst ist, —den müssen wir noch meistern, hemmen und lenken lernen. Hierist es, wo nachhaltige Manneskraft sich höher erweiset, als dasjugendlich auflodernde Feuer des ersten Enthusiasmus, wo sie dieunsläte und unsichre Flamme nährt und zusammendrängt zu schöp-ferischer Macht der Begeislrung, die da nicht ist eine Entzündungdes Sinnes, sondern die höchste Verschmolzenheit aller geistigensowohl als sinnlichen Kräfte. Dieser männliche Sinn ist es, deruns gebietet, zu dem hohen Werk unsers Lehens unser höchstesVermögen aufzusparen, uns Gesundheit und Frische des Leibes undder Seele zu erhalten, unser Empfinden zu reinigen und zu adeln,unser Herz allem Guten und Edeln offen und warm zu haben, un-ser Denken zu stärken und zu erhöhn, uns mit Allem, was Vor-und Mitzeit, Leben und Wissenschaft und der Kreis der seligenKünste Ilülfreiches und Erlanghares für unsre Vollendung darhieten,als mit einer uns gleichsam einwachsenden Rüstung anzulhuu. Dennin dem Künstler wird zu einer lebendigen Gestalt ausgeboren Alles,was in den zerstreuten Formen geistigen und natürlichen Lebensdas traumhafte Bewusstsein seines Volks und seiner Zeit bis aufihn hin heimlich gereift hat. Was in den Seelen still geschlum-mert hat als unfassbares verschwimmendes Bild, als undeutlichstammeludes Begehr, das soll er weissagen in seiner Doppelbeslim-mung als ein Zeichendeuter der Vergangenheit und als Herold derZukunft, in die Mille seiuer Zeit tretend. Dazu aber muss er aufder Höhe seiner Zeit stehen und ilire Bildung haben nach der Seiteseiuer künstlerischen Aufgabe hin. Täusche sich doch keiner vonEuch, indem er etwa die Künstler früherer Zeit nach dem Maass-stab unsrer Bildung misst, oder uuunlerschieden lässt die ver-