VI
ses Bewusstsein einer Tonwelt, die im Innern sieh gestalten, ausuns sich gebähren möchte, lassen nicht weilen, nicht abstehn, dul-den uns auf keiner andern Spur, haben uns ganz zu eigen dahin-»egeben der Göttin, die ihr Netz aus süssen Weisen und Schauer-klängen gewebt hat, die Seelen der Menschenkinder zu fahen.
Wie mächtig sind doch diese Bande! Wer, dem diese Regun-gen in der Brust erwacht sind, fühlte sich nicht zum muthigstenRingen gegen jeden Widerstand, zur Ueberwindung aller Hinder-nisse, zu jedem Entsagen (wenn es gefodert würde) auf glänzen-dere oder gesichertere Loose, zu einem unverzagt freudigen Blickin eine lange Zukunft hinter ungewissen Erfolgen gestählt und er-hoben? Wir bedürfen dieses Muthes und dieser stets erneutenKräftigung. Denn, meine Freunde, nur dem ersten hoffnungbe-rauschten Hinblick des Jünglings kann die Zweifelhaftigkeit der ho-hem Künstlerlaufbahn unbemerkt bleiben, diese Zweifelhaftigkeit,die eben den Edleres Wollenden am Nächsten bedroht. Werdenwir erreichen, vollführen, was wir gewollt? — Giebt es, wennnicht, — irgend eine Entschädigung, Versöhnung? — Wen, derdiesen Nacbtgedanken je durchwühlt, hätte nicht die Klage desDichters um den so hoch begabten Genossen:
„Wolltest Herrliches gewinnen,
Aber es gelang dir nicht.
Wem gelingt es? ■— Triibe Frage,
Der das Schicksal sich vermummt —“
als träfe sie ihn selber, durchbebl? Wer hat nicht inne werdenmüssen, wie nahe jenes Wort der heiligen Schrift: ,,Viele sindberufen, aber Wenige sind auserwählt!“ den angeht, der sich demhöchsten künstlerischen Wirken bestimmt? — Solch entscheidungs-schweres Bedenken kann wohl den aufhalten, den nur flüchtigeLust oder gar ein eitler Wunsch herbeigelockt; und wohl ihm,wenn er sich besinnt,. wenn er von einer Bahn zurücktritl, aufder nur tiefster Beruf und hingehendste Anhänglichkeit rechten Er-folg zu hoffen haben, nur das Bewusstsein reiner Wahl und be-wahrter Treue und freudige Einstimmung in jede Entscheidung vonoben Zufriedenheit und Glück gewähren.
Aber eben dieses Be-