Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Zweyter Band (1792)
Entstehung
Seite
289
Einzelbild herunterladen
 

'-' 2§9

de des Neides, der Ehrfurcht und der Anbetung deSVolks, oder vielmehr der immerwährende Beweis UN-serer Ausartung und unserer Thorheit.

Ueberhaupt muß man sich einen ganz andernDegrif von diesen großen Versammlungen inachen,welche Man erhabene nennt. Die Menschen, von denenman sich einbildet, daß sie einen Geist, voll von derWeisheit, der Liebe zuM gemeinen Besten Und demEifer, welcher die alten Gesetzgeber beseelte, dahittbringen, beschäftigen sich größten Theils nur auf einelächerliche Art, ihren Aufwand und eine Weichlichkeitzur Schau zu stellen, die minder eingenommenenAugen als den unsrigen, der höchste Grad der Schan-de scheinen würden. Die Absonderung der verschiede-nen Gemeinschaften, aus welchen diese Versammlun-gen bestehen, die Uneinigkeit, die einander entgegenstehenden Voktheile, die Begierde sich zu verdrängen,alle Ränke und die Verwirrung, welche uns vollendseinen richtigen Begrif davon geben, entstehen aus die-ser unreinen Quelle, so wohl als die Niederträchtigkeit,mit der man daselbst die Beredsamkeit entehrt. WelchVerhängttiß ist doch Schuld daran, daß das Maasder Aufklärung, welches ein Jahrhundert vor dem Vo-rigen voraus erlangt, niemals zum Vortheil der Tu-gend gereicht, sondern Nur das Laster zu verfeinerndient!

Dies hindert nicht, daß nicht eine kleine Anzahlgleich tugendh after und fähiger Personen auf diesen Ver-sammlungen sich finden, und daß man sie selbst als solchekennet; aber statt sie ungeachtet ihrer Bescheidenheit hek-vorzuzieheN, nimmt man vielmehr gegen sie eine Ver-gessenheit und Verachtung an, wodurch mit ihrer Stim-men auch die des gemeinen Besten unterdrückt wird»Eine lange Erfahrung hat auch gelehrt, daß selten disZusammenberufung der Staaten eines Reichs düS Eu-

A. Denkwsirvigk. Il- B» ^ iß