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Zweyte Abtheilung, Zweyter Band (1792)
Entstehung
Seite
260
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ich kurz vorher eine so ganz verschiedne Rolle gespielthatte? Und daß sie mir den Kelch so bitter als nur mög-lich machen würde, deß konnte ich sehr gewiß seyn. Ichglaube, daß Jedermann sich hier an meine Stelle setzen,und sich die Bewegung und die Beklemmung meinesHerzens vorstellen wird.

Am Ende ergriff ich noch ein ganz gescheutes Mit-tel, ob eS gleich nicht im Stande war, den Kummer,der mich nagte, zu vertreiben. Ich stellte mich krank;und es überfiel mich auch eine so finstre Schwermulh,die wohl fähig gewesen wäre, einen Theil von den üblenZustande meiner Seele dem Körper mitzukheilen. DieUrsach meines Verdrusses entdeckte ich Niemanden. Ichließ einen Arzt holen, der mir die Folgen eines Uebels,welches doch bloS meine Erfindung war, auf die fürch-terlichste Art vorftellte, mir aber doch versprach, durchAderlässe und Arzneien mich davon zu heilen.

Um vier Uhr Nachmittags erschien ein andrerArzt, welcher die Kunst verstand, mir meine Gesund-heit wieder zu geben. Es war Pieaut, mein Kurier,welchen ich mit Ungeduld erwartete, um auf seinen Be-richt meinen lezten Entschluß zu fassen. Er erzähltemir, daß er das Unglück gehabt hätte, sich unterwegesden Fuß zu verrenken, wodurch ihm der Kurier derPrinzessin zuvorgekommen wäre, und überreichte mireinen eigenhändigen Brief von dem Könige, der allemeine Schmerzen heilte. Er schrieb mir^ ich würdejezt über seinen ersten Brief wohl sehr aufgebracht seyn ;er hätte ihn in einer ersten Aufwallung von Hitze, wieich sie an ihm kennte, auf übertriebne Klagen und diedringendsten Bitten seiner Schwester geschrieben. Ummich aber zu trösten, gäbe er mir sein Wort, daß eralles,-was ich gethan hätte, billigen wollte, und mirso gar auf diesen Fall erlaubte, mich seines eignen Brie-