so unangenehmen Auftrag übernommen. Das Schrei-ben, das ich mir hatte geben lassen, enthielt tausendDinge, die weit härter waren, als alles, was ich derPrinzessin gesagt hatte; und ich hatte sie ihr in einemAugenblick erspart, wo ich vielleicht zu entschuldigengewesen wäre, wenn ich sie noch vergrößert hätte. Meinganzes Verbrechen war höchstens, zu treulich gehorchtzu haben, und dennoch opferte mich der König so grau-sam auf, und ohne die geringste Rücksicht weder aufdie Gründe, die ich anführre, noch auf seine eignen Be-fehle. Diese Undankbarkeit durchdrang mich, und allemeine Gedanken strebten nach dem festen Entschluß hin^
- auf ewig den Hof zu verlassen.
Kaum aber hatte ich diesen Entschluß gefaßt, sofand ich schon wieder tausend Ursachen, die ihn bestrit-ten. Schon oft hatte ich die Erfahrung gemacht, daßHeinrich eine solche Gewalt über meinen Willen erlangehatte, daß nach tausend Schwüren von meiner Seite,ein einzigs seiner Worte hinreichte, mich, wie durchBezauberung wieder zu ihm zurück zu ziehn« Au die«serBetrachtung gesellte sich dieHinsicht auf meinen Vor««heil. Sollte ich mich aussetzen, den gerechten Lohnmeiner Dienste, in dem Augenblick wo ich ihn beynaheerreicht hatte, zu verliehren? Und jezt, wo ich durch dieEnterbung von dem Vikomte von Gern um 50,00»LivreS Einkünfte gebracht, durch einen langen und kost-baren Dienst erschöpft war, mein Haus wieder einrich-ren mußte, und durch die Fruchtbarkeit meiner Gemah-lin mit einer zahlreichen Familie bedroht wurde; jeztwar dieser Lohn meine einzige Hülfsquelle, das einzigeKapital, das ich nicht vernachläßigt hatte. Wie aberkonnte ich auf der andern Seite mich überwinden, hin-zugehn und die stolzen Begegnungen einer Prinzessinals ein Verbrecher über mich ergehen lassen, gegen dieR s ich