Druckschrift 
Zweyte Abtheilung, Erster Band (1791)
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

zu geben, wollte er vor dem Könige mit einem großenGefolge von Anhängern erscheinen, welche er sich andem Hofe des Königs von Navarra zu verschaffen such-te, wo er sich kein Gewissen daraus machte, die Treueder eifrigsten und ergebensten Diener desselben in Ver-suchung zu führen. Der König von Naoarra empfanddie Unwürdigkeit dieses Betragens in ihrem vollenMaaße. Aber er verbarg feine Empfindlichkeit, undweil er überlegte, daß es sein Vorkheil seyn würde, einevertraute Person um diesen Prinzen zu haben, sowohlum die Dchritte desselben zu beobachten, als auch umdas neue System, das inan von nun an bey Hose be-folgen würde, zu studiren ; so befahl er mir, die Vor-schläge des Grafen anzuhören, und einen Eifer gegenihn zu zeigen, der freilich nicht in meinem Herzen war»Er ließ sich leicht betrügen, und war froh, mich gewon-nen zu haben; ja die vorzügliche Achtuna, womit ermich behandelte, erweckte mir eins Menge Neider. Ichreifete mit ihm ab, nachdem ich von dem Könige ge-Heime Verhaitungsbesehle erhalten, und alles mit ihmabgeredet hatte , was ich zum besten seiner Angelegen-heiten bey diesem Anlaß thun sollte»

Der Graf von Soissons unterhielt mich auf demganzen Wege von nichts, als von der Gunst, den Eh-renämtern und dem Glanz, die ihn bey Hof? erwarteten.Er glaubte gar nicht, daß es dem Könige von Navar-ra nur einfallen könnte, ihm dieselben streitig zu machen.Aus allen den Zügen, wo er seine unerträgliche Eitel-keit und seinen Hochmuth merken ließ, leuchtete zu-gleich, ohne daß eb es wußte, eine Bitterkeit und eureGalle gegen den König von Navarra hervor, die seineAbneigung, und fernen Haß gegen denselben deutlichgenug an den Tag legten. Ich konnte mich nicht über-winden, weder seinen Neigungen zu schmeicheln, noch