X
-- 275
Die dritte merkwürdige Stadt der Lombardei), diedurch Schiffarrh und Handlung emporkam, und sichui Freyheit setzte, ist Pisa, welche biß in das zehenteJahrhundert unter der Markgrafschaft Toscana (dem al-ten Tuscicn) mit begriffen war, aber nunmehr anfieng,durch innre Kraft welche ihr Industrie und Handlungverschafften, daöJoch der Markgrafen abzuwerfen, undsich nach eignen Gesetzen zu regieren. Schon „n zehen-ten Jahrhundert schickte sie ansehnliche Flotten in dieSee, mit denen sie die Saracenen in Spanien undAfrika bekriegte, und in beyden Lander» Niederlas-sungen für ihren Handel errichtete. Gegen das En-de des zwölften Jahrhunderts wurde Corsika von denPisanern erobert, worauf bald die Eroberung der balk-arischen Inseln folgte. Auch in Sardin.ien siengsie an festen Fuß zu fassen, und die Vortheile derKreutzzüge theilte sie mit Genua und Venedig. IhreMacht zur See wuchs beträchtlich, so daß sich am An-fang des zwölften Jahrhunderts die griechische Flotteim mittelländischen Meer vor pisanischen Schiffen ver-kriechen mußte. Der Kaiser Lothar bediente sich einerpisanischen Flotte, um die Lander König Rogers vonSicilien anzufallen. Auch diese Stadt strebte in die-sem Zeitraum, sich der Oberhoheit des deutschen Reichseben so zu entziehen, wie sie sich bereits derBotMaßigkeitder Markgrafen von Toskana entzogen hatte.
Der Geist der Freyheit, welcher im Xl und XUJahrhundert in den lombardischen Städten lebendigwurde, hatte die Köpfe der Römer schon von jeher ent-zündet, und bereits unter den Ottonen zu den hef-tigsten Unordnungen in dieser Stadt Anlaß gegeben.Bald kämpfte dieses unruhige Volk gegen die deutschenKaiser, bald gegen die Päbste, seine einheimischen Obek-herren, aber weil cS diese Versuche zur Freyheit nichtmit Eintracht unternahm, durch kein planmäßiges Be-tragen unterstützte, und weder durch Industrie nochdurch den Handel seine innere Kräfte vermehrte , sohalfen sie zu nichts, und endigten immer wieder in Un-terwerfung. Die Wahl der Päbste, welche so oft strei-tig ausftel, und die einander entgegen gesetzten Faktio-nen der kaiserlich und päbstlich Gesinnten unterhielten«inen immerwährenden Zunder der bürgerlichen Zwie-S » rracht