Umversalhistorische UebersichL rc. xxvn
Barmherzigkeit der Fremdlinge lebte, hielt er stand-Haft über den Vorrechten seines Stuhls und derKirche. Wenn jede andre politische Gemeinheitdurch die persönlichen Eigenschaften derer, welchenihre Verwaltung übertragen ist, zu gewissen Zei-ten etwas gelitten hat und leidet, so war dieseskaum jemals der Fall bey der Kirche und ihremOberhaupt. So ungleich sich auch die Päbste inTemperament, Denkart und Fähigkeit seyn moch-ten, so standhaft, so gleichförmig, so unveränder-lich war ihre Politik. Ihre Fähigkeit, ihr Tem-perament, ihre Denkart schien in ihr Amt gar nichteinzuflicßen, ihre Persönlichkeit, möchte man sa-gen, zerfloß in ihrer Würde, und die Leidenschafterlosch unter der dreyfachen Krone. Obgleich mitjedem hinscheidenden Pabste die Kette der Thron-folge abriß,. und mit jedem neuen Pabste wiederfrisch geknüpft wurde — obgleich kein Thron inder Welt so oft seinen Herrn veränderte, so stür-misch beseht, und so stürmisch verlassen wurde, sowar dieses doch der Einzige Thron in der christ-lichen Welt, der seinen Besitzer nie zu verändernschien, weil nur die Päbste starben, aber der Geist/der sie beseelte, unsterblich war.
Kaum hatte Lothar Italien den Rücken' ge-wendet als Jnnocentius aufs neue seinen Gegnerndas Feld raumen mußte. Er floh in Begleitung des
Hel-