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Carl Loewe, eine ästhetische Beurtheilung
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Carl Loewe,

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Gelegenheit sich beide eingehend über das Wesen der Balladeunterhielten, und zwar unter vollständiger Übereinstimmung derbeiderseitigen Aussassungen. In erster Linie aber ist hier noch dergroßen Bevorzugung zu gedenken, die Loewe von Seiten des kunst-sinnigen Preußenkönigs Friedrich Wilhelm's IV. zu Theil ward,der schon als Kronprinz mit vollem Interesse seinen weiteren Arbeitensolgte. Loewe selbst, wie dies bekannt ist, trug außerordentlich gernvor diesem königlichen Verehrer seiner Kunst seine Stücke vor, dessenLieblingsnummern zumal die historischen Balladen (die vier vonKaiser Karl, die drei von Kaiser Max, Kaiser Otto's Weihnachts-feier, Landgraf Ludwig u. A.) waren. Auch nahm der König stetsregsten Antheil an seinen Oratorien, deren manches sogar ans desKönigs specielle Anregung von Loewe ins Leben gerufen ward. End-lich sei denn an dieser Stelle noch des ungewöhnlich anregendenLebens gedacht, das unfern Meister an der Stätte seiner Wirksam-keit unmittelbar umgab, und welches durch die Namen der (für dieKunstinteressen Stettins so verdienstvollens Frau Tilebein, einesFranz Kugler und Bischof Ritschl, der genialen Gelehrten K. E. A.Schmidt, L. Giesebrecht, Herm. Graßmann bezeichnet wird, vondenen namentlich die beiden Letztgenannten nebst dem SuperintendentHasper und dem wundersam anregenden Prof. Ferd. Calo Loewe'sGeist aufs Engste verbunden waren.

Bevor wir nun noch, auf Grund dieser historischen Voraus-setzungen und Notizen, Loewe's Individualität und künstlerische An-lage betreffend, auf seine Werke im Einzelnen selbst genauer zusprechen kommen, wäre eigentlich über die ästhetischen Voraussetzun-gen im Allgemeinen zu handeln, um darnach eben die Frage er-ledigen zu können, ob und in wie weit Loewe's Werke den höchstenästhetischen Grundfordernngen entsprechen.

Dabei möchten wir zunächst bemerken, daß Loewe's ganze künst-lerische Eigenthümlichkeit charakteristisch hervortritt in der Ballade,daß von der Ballade aus er auch in seinen übrigen Arbeiten erstrecht verstanden werden kann, d. h. in seinen Legenden und Ora-torien, in seinen Liedern, seinen Klaviersachen und auch in seinenOpern, so weit diese in Betracht kommen dürften. Wenn wir dahernach den ästhetischen Grundprincipien Loewe's Musik in ihremSchönheitsgehalt richtig beurtheilen wollen, so müßten wir für An-