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Carl Loewe, eine ästhetische Beurtheilung
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Carl Loews.

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den merklichen Keim seiner eigenen Anregung ans Schumann deutlichwahrnahm? Gebührt denn Schumann wirklich einzig das Verdienst,daß er über Schubert hinaus einen wahrhaft dramatischen innerenZug dem Liede neu einverleibt hat; hat nicht Loewe solches vielfrüher (er war älter noch als Schubert) und kraftvoller gethan? Wowäre solche Kraft und zugleich solche Dramatik und zugleich solcheEinheitlichkeit des Ganzen, dabei so ganz neue Erfindung bei Schu-mann erfunden, wie in Loewe's „Die drei Lieder", seinem „LordDyring", seiner „Walpurgisnacht" und seiner „Spreenorne" ? Unddoch sind diese Kraftgesänge alle zu liedesmäßigem Vortrag geformt!Hat Loewe die vorgedachten Hauptbedingungen für die wahrhaftgroße Gestaltung des Kunstliedes — nennen wir es getrost Ballade,— „das hohe Lied des vornehmen Gesanges", wie es H. Ehrlicheinmal bezeichnte — nicht mehr innegehalten als vielleicht selbstSchubert? Wenigstens dürfte heute wohl das Urtheil aller kompe-tenten Beurtheiler darauf hinausgehen, daß dies z. B. Angesichtsdes „Erlkönig" durchaus der Fall ist (vergl. z. B. A. Reißmann,G. Engel, Lackowitz, C. Hauer), und dürfte überhaupt für die hiervorgetragene Auffassung ein Wort von A. B. Marx („Erinnerungenaus meinem Leben". Berlin, Otto Janke 1865, Bd. II, S. 83 f.)bedeutsam sein, welcher sagt: „Mit gleichem*) Nachdruck vertrat ichdie ersten Balladen- und Liederheste Loewe's. Dies war aber ansinnerster Überzeugung von dem Werthe jener Kompositionen ge-schehen, und noch jetzt bin ich derselben Ansicht und meine aller-dings, daß viele dieser Gesänge, namentlich der Erlkönig, die vonSchubert an künstlerischem Werth und Originalität um so viel über-treffen, als die Schubert'schen jene allmählig an Popularität über-troffen haben. Denn das Publikum entscheidet nicht nach dem inne-ren Werthe des Kunstwerkes, sondern danach, wie nahe dasselbeseinen Sympathien und seiner Fassungskraft steht." — Es ist über-haupt vom Übel, — ein Übel, welches leider weit um sich gefressenhat — die Geschichte (o Geist des Hegel, wie stehst so erhaben duda den Pygmäen der Geschichtsschreiberei von heute gegenüber!), auchdie Musikgeschichte, nach leicht gefundener Schablone zu beschreiben,zu bestimmen! Beurtheile man jeden bedeutenden Geist nach demSeinen! beurtheile man seine Fähigkeiten, wie weit endlich seine

*1 wie bei Spontini, Beethoven, vgl. a. a. O.

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