Wir sprechen hierüber blos das Allgemeine in den folgendenSätzen aus, auf manches früher Bemerkte uns zurückberufend.
1. Am festesten, inhaltvollsten, freilich auch schwersten tritteine durchaus akkordische Begleitung auf, wie wir sie inNo. 535 gesehn haben.
2. Je reicher der Akkordwechsel, je mehr die Akkorde durchVorhalte, Durchgänge u. s. w. in einander verwebt sind(wie wir schon bei den Chorälen, dann in No. 536 und 539gesehn haben), um so mehr tritt dieser Karakter akkordi-scher Begleitung hervor; je sparsamer und milder der Ak-kordwechsel (wie No. 537), oder je mehr die Akkorde durchPausen getrennt werden (wie No. 540), desto leichter wirddie Begleitung.
3. Im Gegensätze zur akkordischen Begleitung steht die har-monische Figuration, deren Grundkarakter Beweglichkeit,Leichtigkeit oder Schwunghaftigkeit und ein lockerer gleich-sam durchsichtiger Zusammenhang der Töne ist.
4. Je weiter die Töne auseinander liegen, je weiter die Fi-guren sich ausdehnen, je schneller die Bewegung ist, destoentschiedner tritt dieser Grundkarakter hervor; je mehr Stim-men an demselben gleichzeitig Theil nehmen (wie z. B. inNo. 547, d und e), desto mehr nähert man sich wieder derFülle und Festigkeit massenhafter Bewegung.
5. Durch eingemischte Durchgangs- oder Hülfstöne wird dieTonfolge harmonischer Figuration zusammenhängender, ge-füllter, gleichsam melodisch gesättigt.
6. Je fester sich der melodische Zusammenhang einer Beglei-tungsstimme mittels der Durchgänge ausgebildet hat, um sobestimmter macht sie sich als selbständiger Gesang gel-tend, der den Anlheil mehr oder weniger von der Haupt-melodie ab- und auf sich hinzieht; in höherm Grade, alsblosse harmonische Figuration.
Nach diesen Beobachtungen, die jeder theilnahmvoll Musizi-rende leicht und sicher weiter bis in die einzelnen Gestalten ver-folgen kann, wollen wir für jedes Lied dessen Inhalte gemässunsre Begleitung bilden, erfoderlichen Falls zu Versen oder Thei-len von abweichender Tendenz auch in der Form der Begleitungwechseln, stets aber dahin trachten, der Stimmung des Liedes ge-treu zu bleiben, gleichviel, ob sie die einfachste Gestaltung fodert,oder reichere, oder eigentbümlicher gebildete.
Füe die Form der Begleitung ist zuletzt noch der äusserlicheUnterschied zu erwähnen, ob die Melodie gesungen oder mit derBegleitung vereint gespielt werden soll. Im erstem Fall ist esnicht nölhig, die Melodie zugleich in die Begleitung zu legen ; wohl