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Zweiter Abschnitt.
Die ionische Tonart.
Wir haben schon erfahren, dass die ionische Tonart die ein-zige 'unter den Kirchentonarteu ist, welche einer der unsrigen,nämlich unserm Dur, gleicht. Allein unsre sämmtlichen Durtou-arten sind von gleicher Konstruktion, wogegen die Alten in ihremMixolydisch und, wenn sie wollten, in ihrer lydischen Tonart nochzwei abweichend gebildete Durtöne besassen. Dadurch wurde derKarakter einer jeden, und so auch der der ionischen Tonart, eineigentümlich ausgeprägter.
Dies zeigt sich vor Allem in der Modulation. Nach den Grund-sätzen unsers Systems geht der Weg der Modulation in Dur regel-mässig zuerst nach der Tonart der Dominante, z. ß. von Cdurnach Gdur; dies ist die nächstliegende, — aber freilich eben dess-halb auch die gewöhnlichste, am wenigsten erhebende Ausweichung.Allein eben darum war sie den Alten in ihren Kirchengesängennicht beliebt; sie war ihnen nicht hochsinnig genug, nicht festlichund erhebend genug, ja, sie würde kaum für eine rechte Aus-weichung gegolten haben. Denn was fand man auf der ionischenDominante? entweder wieder eine ionische Tonreihe (hypoioniscb)oder die mixolydische Tonart, die aus später zu erwähnendenGründen ebenfalls nicht dem Zwecke, sich aus dem ionischenHauptton zu erheben, genügte.
Daher finden wir die Dominanten-Modulation in den Chorälenaus der Blüthezeit des alten Systems entweder geflissentlich um-gangen (z. B. in den Chorälen : Allein Gott in der Höh’ sei Ehr’,Herr Christ der ein’ge Gottessohn, Herr Gott dich loben alle wir),oder (wie in den Chorälen: Herzlich lieb hab’ ich dich o Herr,Vom Himmel hoch, da komm’ ich her, Nun bitten wir den heil’genGeist, Nun lob’ mein Seel’ den Herrn, Schmücke dich o liebeSeele, 0 Herre Gott dein göttlich Wort, Wach’ auf mein Herzund singe, und vielen andern) durch Schlussfälle im Hauptton,oder auf der Unterdominante, oder auf der Parallele der Cnterdo-minanle verspätet, wenn nicht geradezu in diese (in A äolisch) aus-gewichen wird. So schliesst Seb. Bach*) in drei verschiednen Be-handlungen des Chorals, Herzlich lieb hab’ ich dich o Herr,
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") J. Seb. Bach, 371 vierstimmige Choralgesänge, bei Breitkopf und Härtelin Leipzig. Oder Partitur-Ausgabe von C. F. Becker.