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scheint das ältere System der Tonarten nicht blos abweichend, son-dera als Vorarbeit, als Versuch zu dem jetzigen vollkommen. Manschlug damals andre Wege der Modulation ein; und indem wiruns Rechenschaft geben, zu welchen Zielpunkten diese Wege ge-führt haben, gewinnen wir eine neue Anschauung und Bestätigungfür unser jetziges System. Dieses giebt uns für den jedesmaligenallgemeinen Zweck das nächste Mittel. Es sagt uns z. B. , dassunser Ganzschluss in vollständiger Darstellung (so, dass die To-nika in Ober- und Unterslimme liegt, der Schlussakkord auf einenrhythmischen Haupttheil fällt) das befriedigendste Ende eines Ton-salzes ist. Wie nun, wenn wir ein Tonstück nicht mit demDominant-Akkord, oder nicht auf der tonischen Harmonie schlies-sen wollten? Wie, wenn überhaupt die Tonika mit ihrer Harmo-nie einaml nicht als Fundament, als Anfang und Ende der gan-zen Tonbewegung, behandelt würde? Was wäre die Folge? —Die alten Tonarten zeigen Versuche solcher Art.
Noch mehr. Diese Versuche sind Ergebnisse tiefsinniger Auf-fassung des Tonwesens, Geburten einer wahrhaft begeisterten, lie-desgewalligen Zeit, sie sind Anschauungen voller Wahrheit, —einer Wahrheit, die sich noch jetzt und für alle Zeiten bewährenmuss, — obwohl sie sich noch nicht zu der Erkenntniss des allge-meinen Gesetzes hatten erheben können. Nicht ausgeklügelte odermulhwillige Versuche Einzelner sind es; wie man etwa jetzt auch,in reiner Willkühr, einmal Abweichungen vom allgemeinen Gesetzhazardireu könnte; nein, sie sind Erfahrungen, die eine der merk-würdigsten und reichsten Perioden der Kunstgeschichte in ernstemund tiefsinnigem Wirken gesammelt und uus überliefert hat. Esist also, wenn diese Anschauungen mit unsern Grundsätzen über-einstimmen , ein überaus mächtiger Erlährungsbeweis für letzteregewonnen.
Worin wird aber diese Uebereinstimmung und Bestätigung sichaussprechen können? — Nicht blos in dem, was die Alten nachunsrer Weise thaten, sondern auch — und am merkwürdigsten— indem, womit sie von unsrer Weise abwichen. Sie wei-chen ab von unsrer Weise, z. B. von unsrer Schlussweise, wo siesich einen andern Zweck vorgesetzt haben ; und dann erreichensie ihren Zwrack ganz nach unsern, das heisst nach den späterentdeckten allgemeinen Gesetzen,
ln diesem Sinn können wir die alte Lehre als eine Vervoll-ständigung der unsern ansehen. Wir sind nämlich in unsrer An-sichtsweise längst darüber hinaus, in einer kahlen und abstraktenVoreiligkeit über die Tongebilde so herzufallen, dass wir Eins fürabsolut richtig, die andern für absolut falsch ausgeben.Ein solches Verfahren muss sieh jederzeit unhaltbar und unfrucht-