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sehr oft auf reichere Stimmführung Verzicht zu leisten nöthigt,und dass in den meisten Fällen die drei- oder zweistimmige Behand-lung, oder gar die Verlegung des Cantus firmus in andre Stimmenmit jenem Zwecke nicht verträglich erscheint. Hierüber muss sichdenn der künftige Organist da Raths erholen’), wo er überhauptdie Bildung für sein besondres Amt zu suchen hat. Wir haben esan dieser Stelle nur mit der freien Kunst, die sich selbst genügen,nicht fremden Zwecken dienen will, zu thun. Es liegt uns alsonichts daran, ob die vorstehenden Choräle ganz oder gar nicht zumGebrauch beim Gottesdienst eingerichtet sind ; dazu findet man inzahlreichen für den gemeinen Gebrauch bestimmten Choralbücherngenügsame Vorarbeit.
Siebenter Abschnitt.
Prüfung' harmonischer Fertigkeit am Choral.
Wir haben überall darauf hingewiesen, dass jeder Choral (wieüberhaupt jede Melodie) auf gar mannigfache Weise behandelt wer-den kann, und dass es nicht eine absolut beste Behandlung (oderwohl gar eine einzig richtige) giebl, sondern dass für den einenZweck unter diesen Umständen die eine, für einen andern Zweckunter andern Umständen eine andre Behandlung den Vorzug ver-dienen kann. Wir bedürfen also der Fähigkeit und Fertigkeit, einegegebne Melodie in verschiedner Weise zu behandeln.
Der Stoff dazu ist in der ganzen bisherigen Lehre gegeben ;wir haben nichts Neues darüber mitzutheileu. Allein wir machen,wie schon früher geschehn, darauf aufmerksam, dass es einefruchtbare — alles Erlernte wiederholende und zusammenfassendeUebung, und insofern eine aufklärende Prüfung unsrer Kraft ist:an bestimmten Melodien zu versuchen, wie vielfache Behandlungenuns wohl gelingen mögen. Und hierbei wird vielleicht eine kurzeAnleitung, wie man möglichst reiche Behandlungen auflinde unddurchführe, Manchem wünschenswerth, Andern anreizend zu eig-nen weitern Versuchen sein.
Es versteht sich von selbst, dass jede Behandlung den vonuns schon erkannten Gesetzen gemäss sein muss. Das Wi-drige, Schwächliche, widernatürlich Erzwungene, kurz alles Miss-
*) Empfohlen seien ihm dazu Turk’s und Becker's Anleitungen.
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