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die Einförmigkeit der Slrophenschlüsse geblieben; sie hat uns be-wogen , die Modulation innerlich zu bereichern, gleich Anfangs dieUnterdominante, in der zweiten Strophe die Parallele derselben zuberühren u. s. w. Sehr nahe hätte es gelegen, den Anfang durchBerührung der Oberdominante, — der fünfte Akkord könnte a-c-cs- g heissen, — zu bereichern.
In gleichem Sinn ist der Choral: ,,0 Haupt voll Blut und
Wunden“ (Beilage XX.) aus dem Tod Jesu von G raun und der
folgende: „Was mein Gott will“ von Fasch gearbeitet. Graunwiederholt die ersten beiden Strophen, die einen ersten Theil bilden,mit neuer Behandlung; auch der Text der letzten Strophe wird ineinem Anhänge wiederholt, in beiden Wiederholungen schliesst sichder Komponist dem Harmoniesystem der Kirchentöne an, denensein Choral eigentlich zugehört und das uns jetzt noch nichts an-geht. Im Uehrigen (das hier allein in Betracht kommt) bestätigtseine musterhafte Arbeit die oben ausgesprochnen Grundsätze.Keineswegs ist dies von dem Faschischen Choral zu sagen. Gleichdie erste Strophe, die (nach unserm Tonsystem zu reden, —
das alte der Kirchentonarten würde hier keinen wesentlichen
Unterschied machen) die Tonart Cdur anzeigt und wirklich in der-selben schliesst, beginnt mit dem ^moll-Dreiklang, geht nach Fdur,nach Cmoll und bleibt da bis auf den letzten Akkord. Um sogeradsinniger gehen die folgenden zwei Strophen *) auf ihr Ziel los,was dann von den beiden nächsten wieder weniger zu sagen ist. —Diese Bemerkungen hat der Schüler zur Befestigung seiner eignenAnsichts-und Handlungsweise zu erwägen. Nicht aber sollen undkönnen sie ohne Weiteres als Tadel Fasch’s (bekanntlich eines dergeschicktesten- Tonsetzers) gelten. Eineslheils würde es sich zu-vor fragen, ob nicht ein besondrer Sinn in Fasch’s Aufgabe ihmden abweichenden Gang vorgezeichnet hat. Andern Theils ist be-kannt, dass er manchen seiner Sätze in ganz spezieller Rücksichtauf die Uebung seiner Singakademie behandelt hat, — ohne ihn alseigentliches freies Kunstwerk anzusehn und für die Oeffentlichkeitzu bestimmen. Für die Uebung im Richtig- und Rein - Singen
*) Wie kommt Fasch im sechsten Takt auf den Akkord dis-ßs-a-c, derihn nach E bringt, da er doch nach A will? — Er hätte allerdings a-c-esetzen können; allein das war zu Anfang dagewesen, kehrt am Ende derStrophe wieder und hätte sich nach d-f-a gar trüb gemacht. Dagegen warihm aber, um in A zu schliessen, — e-gis-h-d — also zuerst e-gis-hnöthig; dies erinnert (Anm. S. 331) an Edur, konnte also wohl zu einerAusweichung dahin locken. Gleichwohl liegt diese zu fern , um ernstlich ge-wollt zu werden : folglich wurde sie zweideutig oder minder entschieden ge-macht, — dis-fis-a-c ist streng genommen (S. 202) nicht Edur. Nun hatauch der Bass einen bessern Gang, als das eckige d, a, e, a erhalten.
Marx, Komp. L. I. 4. Aull. 22