Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

526

Zweiter Abschnitt.

Anlage der Harmonie.

Sobald die Strophenscliliisse festgesetzt sind, ist der Harmoniejeder Strophe ihr Ziel angewiesen. Auf dieses Ziel ist sie nunbestimmt und sicher und damit würdigloszuführen, nach den über Akkordfolge schon mitgetheilten Grund-sätzen. Wiederum fragen wir also zuerst

nach den nächslliegenden und gehörigstenAkkorden, sehen sodann

auf Folge und Zusammenhang

und gehn dabei entschieden auf unser jedesmaliges Ziel los, ohneunnöthige Wiederholung oder Hin- und Herschwanken. Wir neh-men dabei auf Mannigfaltigkeit Bedacht, besonders wo die Melodiezu Monotonie verleiten könnte, und ziehen im Allgemeinenkräftige und würdige Wendungen, entsprechend der kirchlichenWürde und Erhebung, den weichen oder gar weichlichen oder auchtrivialen vor.

Daher vermeiden wir im Allgemeinen zu häufige Umkeh-rungen, besonders Quartsexl-Akkorde ; letztere besonders, die unsfrüher so geeignet zur Einleitung des Schlusses erschienen, würdenhier die Harmonie einförmig und schwächlich machen , da wir derSchlüsse so viele, und nach so kurzen Zeilen, haben.

Aus gleichem Grunde sind in der Regel auch solche Ak-kordfolgen zu vermeiden, in denen Bass und Diskant mehrereAkkorde hindurch in Sexten oder Terzen mit einander gehen, z. B.

453

-f r-fef -i -ffftf

denn bei dem Uebergewicht der äussern Stimmen verbreiten solcheFolgen leicht Eintönigkeit und Weichlichkeit über die Harmonie,wenn diese auch an und für sich selbst wohl und kräftig organisirtist. Dass am rechten Ort übrigens diese und jede allgemeine Regelzurücktreten darf und muss hinter die Tendenz der besondern Auf-gabe, ist uns längst bekannt.

Aus der ganzen Anlage der Choralmelodie folgt schon, dassin der Regel jeder Ton der Melodie seinen besondern Akkorderhält, also ein Akkordton ist. Hierbei müssen wir jedoch Einigesvorausbemerken.