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Erste Alitlieiluiig.
Die Begleitung des Chorals.
Die Choralmelodien, wie sie jetzt dem christlichen Gottesdienstangeeignet sind, bieten sich wegen ihrer grossen Einfachheit alsleichteste und nächste Aufgabe für Begleitung dar. Denn ihr Ton-umfang ist meistens nicht ausgedehnt, ihre Melodieschritte sindmeist ruhig, nicht zu weitgreifend uijd nicht zu unstät. Ihre takti-sche Einrichtung ist ungemein einfach; denn meist bewegt sich,einige Durch gangs töne ausgenommen, die Melodie in lauter Takt-theilen, nur selten von einer langem Note unterbrochen. Die Ein-teilung in kurze Strophen, deren jede für sich gleichsam alsGanzes abschliesst, erleichtert Uebersicht, Einrichtung und Be-handlung*).
Auch die Textunterlage (wenn man gelegentlich schon jetzt anden Gesangvorlrag der Choräle denken will) ist höchst einfach;jede Sylbe hat in der Regel einen Ton, dem sich allenfalls einDurchgangston anschliesst. So ist in jeder Beziehung der Choraleine der einfachsten Aufgaben für Begleitung.
In andrer Hinsicht kann er aber auch einer der reichsten ge-nannt werden. Denn eben die hohe Einfachheit seiner Melodiemacht ihn geeignet, die mannigfaltigsten Harmonisirungen und Be-gleitungen zuzulassen ; ja, die meisten Choräle haben eine so all-gemeine Bestimmung, dass sie unter verschiednen Gesichtspunktengar manche Art der Begleitung gestatten, deren jede für ihrenZweck, am rechten Ort, die beste, keine die allein und allgemeinrechte zu nennen ist.
Hierzu kommt aber die religiöse und künstlerische Wichtigkeit
*) Die Choralstrophen (also die grössere rhythmische Anordnung des Cho-rals) haben, wie der erste Blick in ein Choralbnch zeigt, bei Weitem nichtjene Ebenm'dssigkeit, nach welcher unsre neuere Rhythmik (vergl. die Lehrevon der ein- und zweistimmigen Komposition) strebt. Die Zahl der Strophen istbald gerade, bald ungerade, die Strophen unter einander haben verschiedne —und oft nicht einmal symmetrisch geordnete Länge, die Schlüsse fallen oft aufgewesne Haupttheile oder Nebentbeile ; und alles die3 wird um so auffallender,da die Bewegung des Chorals in seinen einzelnen Schritten so höchst ein-fach, ja einförmig ist. Allein für die harmonische Behandlung, unsern der-maligen Zweck, ist diese Weise des Rhythmus nicht von Einfluss; wir beküm-mern uns also nicht darum.