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3. die Abweichung aber in einzelnen Intervallen, und nament-lich in der Fiihrung der Terz keineswegs etwas Unerhörtes;
endlich ist
4. diese Abweichung nicht willkiilirlicber Einfall oder Versehen,sondern eines künstlerischeu Zweckes willen getroffen, —
denn allerdings kann es künsllerisch nothwendig werden, sich imGange rasllos und gewissermassen schrankenlos zu bewegen. Diesist die Hauptsache bei allem künsllerischen Gestalten.
Was nun jene Abweichung von der Regel des Terzenschrittsbetrifft, so ist sie nicht die erste; schon früher (S. 110) haben wirdie Terz abwarts statt aufwarts — und zwar eine Terz hinabge-führt. Nur gesehah das in Miltelstimmen, hier abwechselnd in derOberstirome, z. B. vom zweiten Akkorde zum dritten. Allein ge-rade die beiden Stimmen, in denen die Terz von ihrer Regel ab-geht (Diskant und Alt in No. 242, B) sind am folgerichtigstenund sanftesten geführt, sie gehn durchweg chromatisch. Wir dür-fen auch hier (wie S. 145 bei den Gangen von Sextakkorden) hof-' fen, dass das Fliessende der melodischen Bewegung den Anstoss,der in der Harmonieführung liegt, beseitigen werde*).
Sofort ergiebt sich nun aus dem Gewinn des Ganges von Do-minanlakkorden ein neuer Fortschritt. Dieser Gang stellt eineVerkettung von Akkorden dar, in deren keinem Ruhe, Befriedi-gung, sondern nur Trieb zu neuem Fortschritte waltet; jederSchrift fiihrt zu neuer Harmonie — und zugleich zu neuerTonart. Man kann des Erstern ohne das Letztere bedürfen: rast-losen Fortdrangens von Akkord zu Akkord, aber ohne die Einheitder Tonart aufzugeben.
Warum sind wir nun eigentlich in No. 242 B, bei jedemAkkord in eine neue Tonart gerathen, z. B. durch c-e-g-bnach Fdur, durch f- a- c - es nach Rdur? — Die nachste Antwortlautet: weil jeder dieser Akkorde Dominantakkord, ausschliesslichesEigenthum, Zeichen seiner Tonart ist. Aber, genauer angesehn,sind in c-e-g-b nicht die Töne c - e - g ausschliessliches Ei-
*) Was wir hier frei gebildet und aus der vernunftmassigen Entwickelungdes Harmoniewesens gerechtfertigt, ist schon in der natürlicben Entwickelungdes Tonwesens vorgebiidet.
Wir habeD bereits S. 54 angemerkt, dass nach den ersten sechs vonder Natur gegebnen , in den einfachsten Verbaltnissen (1 : % : 3 : 4 : 5 : 6)stekenden Tonen, z. B.
C, e, g, c, e, g,
ein siebenter dort ungenannter, — und dann erst die Reihe der andernTöne,
c, d, e, u. s. w.
erscheint. '
Dieser siebcnte Ton (das Tonverhaltniss 6 : 7) kann und muss uns fiir bMarx, Romp. L. I. 4. Aufl. 13