171
210
m
b.
{~i
d.
't^F
■O'
I
wahrend die Septime, von andern Stimmen gedeckt hinaufgeht.Denn sollte auch sie, nach ihrer eigentliclien Weise, in die Terzgehn, so entstanden verdeckte Oktaven, die besonders in den'aussern Stimmen (d) zu auffallend werden mochten.
An der erstern Freiheit können die Grundtöne der Nonen-Akkorde unbedenklich Theil nehmen,
an der andern weniger gut, weil die Septime von der milgehendenNone genöthigt wird, ihrem natürlichen Gange treu zu bleiben.
Allerdings können noch mehr Abweichungen von dein regel-m'assigen Stimmgang, als hier erwahnt oder gebilligt sind, untergewissen Umstanden statt finden. Nur ist für den Jiinger auf die-sem Punkte der Lehre die Zeit, sich kiihner von dem Regelmassi-gen zu entbinden, noch nicht gekommen. Ueberhaupt haben ebendie weniger Unterrichteten von soichen Freiheiten nicht selten un-richtige Vorstellungen; sie halten sie oft nur darum für zulassig,ja unentbehrlich, weil ihijen die regelmassigen Entwickelungennicht alle vor Augen stehen; ja, sie schatzen sie wohl gar alsNeuheit und Zierde der Kunst, wo sie blos Nothbehelf ungenügen-der Kenntniss sind. — Der wahre Künstler wird vor der freiestenund kühnsten Abweichung von der bisherigen Regel nicht zurück-schrecken. Aber eben so fern, als furchtsame Zurückhaltung, wirdihm Frivolitat und Verwegenheit bleiben. Er wird daher in seinemBildungsgang und in der reifen Prüfung seines Werks allen regel-massigen Entwickelungen folgen, und erst dann weiter gehn, wennsein Ziel, die Verwirklichung seiner Idee, offenbar jenseits derbisherigen Regel liegt"').
*) Hierzu der Anliang G.