Zur Zweit fragt sich, welche Töne wir verdoppeln dürfen?— Verdoppeln können wir den Grundton des Dominant-Akkordes(wie wir schon von No. 113 her wissen) und die Quinte,
(letzlere, weil sie nicht blos abwiirts, sondern auch aufwarts schrei-len darf) in den Dreiklangen aher jeden beliebigen Ton. Alleinauch hier ist zwischen mehr oder minder giinstigen Fallen zuunterscheiden.
lm Dreiklange wird im Allgemeinen am liebslen der Grund-ton, nach ihm die Quinte verdoppeit; dies zeigt sich schon in demUrakkorde, den wir in No. 56 gefunden haben und in dem dienachstzusammengehörigen sechs Töne — dreifach der Grundton,zweifach die Quinte, einfach die Terz — sich verhuilden haben.Diese erste, urkraftig und urschön erlönende Harmonie wird ebensowohl von der Wissenschaft in ihrer Gestallung gerechtfertigt,als vom Gefühl in seinem Wohlklang anerkannt, — auch dann,wenn (wie bei a)
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die Töne aus ihrer ursprünglichen Ordnung gerückt werden.
Dagegen bat die Verdopplung der Terz im grossen Dreiklangedie Folge, dass dieses Inlervall (wie man hei b horen kann) sichhervordrangt*) und so heftig in das Geliör fallt, dass man gleichsames allein zu horen meint. Dies kann aber in der Regel nicht derAbsicht des Komponisten entsprechen ; nur aus besondern Gründen**),auf die wir hier noch nicht einzugehn Anlass und Recht haben,wird er die Wohlgestalt, das innere Ebenmass des Akkordes auf-geben wollen. — Aus demselben Grund ist auch die Verdopplung
’) Dieser Karakter der Terz hangt damit zusaimnen, dass sie das be-stimmende Intervall ist, dasjenige, welches die leere Quinte zu einem Ak-korde macht, den Dur - und Moll-Dreiklang und damit das Dur- und Mollge-schlecht ; — den grössten Gegensatz im Reich der Töne — unterscheidet undfestsetzt. Die Festsetzung geschieht aber, wie wir aus No. 56 wissen , an derDurterz und dem Durakkorde, von dem der Mollakkord mit derMollterz nur als Abscbwachung oder Triibung erscheint. Daher vertragt — undliebt sogar der Molldreiklang Verdopplung der Terz, wo er sich starken will.
**) Hierzu der Anhang D.