Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
130
Einzelbild herunterladen
 

150

gunstigere Tonfolge zu gewinnen. Hiermit tritt aber sofort freiereFiihrung aller Stimmen, folglieb auch freiere Behandlung der Har-monie überhaupt in Aussicht; namentlich kann es auf dieser höhernStufe nicht mehr geniigen, erst alle Grundtöne in den Bass zu setzenund dann die Mittelstimmen so nahe wie möglich an die Oberstimmezu drücken.

Gestatten wir aber allen Stimmen freiern Gang, so eulstehtvon Akkord zu Akkord die Frage: welchen Ton des folgendenAkkordes soll jede Stimme nehmen? Von der Führung aller Stim-men hangt es ab, ob der Akkord vielleicht einen Ton einbüssen,oder ob einer seiner Töne verdoppelt, von zwei Stimmen genommenwerden soll. Fm diese Fragen haben wir uus bisher nur beilaufigbekümmert, weil die engen Vorschriften, innerhalb deren wir arbei-teten, uus mit der Freiheit zugleieh auch der Sorge enthoben. Jetztbedarf es einer vorlaufigen iibrigens sehr leichten Prüfung.

I. Auslassung von AkkordtÖ7ien.

Hierüber ist das Nöthige schon gesagt. Wir lassen für jetztnur dann einen Akkordton aus, wenn wir durch ein Harmoniege-setz dazu genöthigt werden; so hat in der ersten Harinonieweise(S. 92) der auf einen Dominant-Akkord folgende Dreiklang ohneQuinte bleiben mussen. In No. 146 haben wir die Quinte einigerDreiklange ausgelassen, um heftigen Stimmbewegungen auszuweichen.

YVeleher Ton am besten ausgelassen werden könne, wissenwir ebenfalls schon; der unentscheidendste, die Quinte. DerGrundton erscheint für jetzt noch als Grundlage des Akkordes,die Terz im Dreiklang als Unterscheidung von Dur und Moll, imDominantakkord als ein vermöge seiner bestimmten Fortschreitungkarakteristischer Ton, die Septime als der Ton, der aus einemblossen Dreiklang erst einen Septimen- oder Dominant-Akkordmacht, unentbehrlich. Nur bei der Terz im Dominant- Akkordekanu von nun an eine kleine Ahweichung eintreten; es kann bis-weilen, z. B. in solchen Satzen,

*

folgerechte Stimmbewegung erlangt werden , wenn man die Quintefesthalt (und sogar verdoppelt, wie bei den bezeichneten Akkordenoben) und die Terz übergeht. Ein ahnliches Beispiel giebt der An-fang von Beethovens Sonata quasi una Fantasia in Esdur,