Fünfte Alitlieilung.
Umkehrung der Akkorde.
Bis hierher liaben wir vorzüglich Aulïindting und Verbindungder Akkorde ira Auge gehabt und auf gute melodische Fiihrung derStimmen nur geringe Riicksicht genommen. Die Mittclstimmen habenwir möglichst nabe an die Oberstimme gesetzt, weil wir noch beider erslen Ansicht (S. 91) stehn geblieben waren, dass die Beglei-tung sich zur Ilauptstimme halten und desshalb so nabe wie mög-lich bei ihr bleiben solle. Dieses Verfahren hat vor manchem Zweilelund Fehler bewahrt, das Erkennen der Akkorde erleichtert. —■Aber innre Notlnvendigkeit, dass die Mitlelslimmen so nahe wiemöglich an die Oberstimme treten mussen, ist nicht vorhanden.Die Verbindung der Stimmen beruht auf ihrem harmonischen Zu-sammenhang, nicht aber auf ihrer ausserlichen Nahe. Wenn wirc, cis , d, dis zu einander stellen, so haben wir die nachstliegendenTöne zusammengebracht, aber ohne harmonischen Zusammeuhang;dagegen geboren die Töne c-e-g zusammen, nnd bilden eine Harmo-nie , waren sie auch durch Zwischenraume von mehrern Oklavengetrennt.
Am unfreiesten und ungefügesten helen unsre Biisse aus. Dennda wir ihnen stels nur die Grundtöne der Harmonie geben konntcn,so gingen sie fast immer in Quarten-, Quinten- und Oktaven-Schritten einher, was ihnen denn freilich ein holpriges Wesen gah.Dies ist aber wieder nach dem Wesen der Harmonie nicht nolh-wendig. So gut wir jeder andern Slimme bald den Grundton (dieOktave), bald Terz, Quinte, Septime des Akkordes gegeben, so gutmuss dies auch bei dem Basse möglich sein. Auch ihm wollen wirvon nun an beliehige Intervalle zuertheilen ; statt des Gruudtonssoll er bisweilen die Terz, Quinte oder Septime des Akkordes neh-men , der Grundton aber soll dann einer andern Slimme gegebenwerden.
Ein Akkord, dessen Grundton aus der tiefsten in eine höhereSlimme versetzt worden, heisst umgekehrter Akkord oderkurzweg Umkehrung; auch das Verfahren heisst Umkehrungder Akkorde. Im Gegensatze zu den umgekehrten. Akkordenheissen die nicht umsekebrten: Grundakkorde.