Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

Vierter Absclinitt.

Anwendung fester Harmoniemotive auf Beg'leitung'.

In der Ausarbeitung der Harmoniegange ist endlich jene folge-richligere und darum festere und tiefer wirkende Durchfiihrungeines bestimmlen Molivs zurückgekebrt, die wir in den friihernselbstaudigen Arbeiten slets beobacbtet, bei der Harmonisirung ge-gebner Melodien aber bis jetzt ausser Acht gelassen hatten. Daskonnte aucb hingehn. Denn eines Theils ist noch die Frage, obdie uns gegebnen Melodien Anlass zu molivgetreuer Harmonisirunggeben, andern Theils halten wir genug damit zu thun , auf dem nochneuen Felde der Harmonie die nölbigen Mittel zu linden und feh-lerlos anzuwenden. Offenbar wird aber konsequentere Harmoniege-staltung auch diesen Arbeiten höhere Kraft verleihen.

Wir wollen daher von jetzt an danach trachten, bei der Har-monisirung gegebner Melodien ein sich bildendes harmonisches Mo-tiv , wenn und so weit es geht (oder so weit wir es nicht zu er-miidend Gnden) fortzuführen.

Versuchen wir es an nachstehender Melodie, die zunachstnach der ersten Harmonieweise bearbeitet worden ist.

144 <

3 5 5 3

3 3 8 8 3

o O U .J .J o , . |

IjIjj-t-JiI 1 0 -

«H-»-<t a 0-\-0 m 9-i-

Sp-+-f®nr-

5!

< é

5 3

9

8 8 3

-I

8 8 3

i 1

9-9-i ?

-90 -

ZW=9-

Hier zeigen sich bei A , B und C Uebelstande, die in der erstenHarmonieweise*) wohl gemildert, nicht aber ganz überwunden wer-

*) Schon S. 92 ist darauf hingedentet wordeu, dass die erste Harmonie-weise nicht fïir alle Melodiescbritte ohne Ausnahme genügt. Wenn die Ueber-zifferung zweimal 5 oder 8 oder 3 zeigt, wenn die Melodie zu grosse Schrittemacht und dabei treinde Akkorde aneinander zu bringen nötbigt, dann sindFehler oder wenigstens heftige und befremdliche Wendungen nicht zu ver-meiden. Allein dies thut dem Gewinn, den wir aus der ersten Harmonieweiseziehn , keinen Abbruch, da wir uns mit dieser Weise nur hineinfinden wollenin das Gebiet der Harmonik, um uns (wie wir schon den Anfang gemacbt)dann reicher, freier und zugleich kunstmassiger in demselben zu entfalten.

Nur machen diese möglichen Uebelstande dringend ratbsam , dass derSchuier sich nach keinen andern , als den vom Lehrer gegebnen Melodien inerster Harmonieweise übe. Nur in den zu gegenwartigem Abschnitt gehörigenMelodien ist die' Riicksicht auf jene Uebelstande (nothgedrungen) bei Seite gc-setzt worden.