Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
96
Einzelbild herunterladen
 

96

kleiner Terz und grosser Quinte) kleine Dreiklange, ancliweiehe oder Molldreiklange. Horen wir nun prüfend zuersl die Har-monie eines grossen, dann eines kleinen Dreiklangs, so kann unsnicht entgehn, dass die erslere heil und frisch, die andre triiberund weicher ertönt. Natiirlich! Denn die erstere isl das unmiltel-bare Erzeugniss der Natur und giebl uns die nachstverwandlen Tönein ihrer geradesteu Entwickelung (1 : 2 : 3 : 4 : 5 : 6, oder 4:5:6)zu horen, wahrend die andre auf einer Verwechslung oder Ver-setzung dieser Verhaltnisse beruht; oben folgt die kleine Terz aufdie grosse , hier gegen den Weg der Natur die grosse auf diekleine (1:2:3: 4,-5 : 6,-J-4 : 5) und diese Versetzung triibt ebenden Zusanimenklang und seine Aullassung.

Wir besitzen also jetzt drei Arten von Akkorden:

1. grosse Dreiklange, auf der Tonika, Ober- und Unler-dominanle, in Cdur also auf C, G und F,

2. kleine Dreiklange, auf der drillen und sechsten Stufeder Tonleiter, in Cdur auf E und A ,

3. den Dominant-Akkord, auf der Doraiuanle, in Cdurauf G.

Nun sehen wir schon einen der Gründe, die uns erlanben, denDreiklang nach dem Dominant-Akkord (S. 89) unvollsüindig, nam-lich obne Quinte zu lassen; die Terz geniigt, urn anzuzeigen,dass der Akkord ein grosser Dreiklang sei; die Quinte, die keinUnterscheidungszeichen ist, kann am erslen gemisst werden. Auchwird uns jetzt klar, wie rathsam es gewesen, in der Nalurharmo-nie (S. 58) c mit e und nicht mit g zu begleiten; c-g ist un-bestimmler als c-e, weil lelzleres ganz entschieden den Durdrei-klang ausspricht, ersteres aber zweifelhafl lasst, ob Dur oder Mollertöne; diese Unbestimmtheit aber wiekt, wo sie sich ohne be-sondern Grund zeigt, in ihrem Eindruck unbefriedigend und leer

lassend.

Hiermit ist vor Allem unser eigentlicher Zweck erfülll: wirkönnen nun die Tonleiter in jeder Richtung harmonisiren, folglichauch (mit unwichfigcn Ausnalmien) jede Melodie, die keine derTonleiter fremde Tönq enlhalt. Hier ein Beispiel:

Die Behandlung Takt 2 und 7 ist die in No. 96 gezeigle undschon in No. 102 angewendele. In Takt 1 haben wir uns nach