Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
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Vielleieht ist kcine von allen von kiinstlerischem Werlh und unsum ihrer selbst willen lieb. Aber an ihnen zusammengenommen eig-nen wir uns die Grundverhaltnisse aller musikalischen Formungenan, bis sie uns fiir freiere und enllegnere neue Geslallen zur andernNatur geworden sind ; an ihrem Leitfaden wird uns das kiinstle-rische Gestalten, bis zu den bedeutendsten, reichsten, wahrhafteignen Gebilden bin, gelaulig,

Es ist ferner wahr, dass der fertige Kiinstler zu ganzandern Zielen hingezogen wird, als jetzt wir, namlich zu derVerwirklichung seiner eignen Gefiihle und Ideen, nicht blos der all-gemeinen Bedingungen eines Satzes, oder der kleinen Umanderungenin Tonfolge und Rhythmus, durch die wir uns in kleinen Sehrittenvon einem Gebilde zum andern bewegen. Aber jenes ist der Berufdes Meisters, der alle Entwickelungen schon in seinem Innern durch-gearbeilet und sich zu eigen geraacht, also nicht nielir nöthig hat,die ganze Kette nochmals zu durchlaufen. Gleichwohl bewegen wiruns mit ihm in derThat auf demselben Pfade; wir haben den-selben Weg schon jetzt betreten, sind nur viel weiler zurück;seine Ziele sind nur entlegnere, ihm allein (oder Wenigen) ge-setzte, wahrend unsere die allgeineinsten sind. Daher eben kön-nen und mussen wir uns noch von jedem SchritlRechenschaft ge-ben und stets genau an das Yorhandne anschliessen, wahrend derKiinstler leicht über die ihm schon bekannten Punkte zu seinemZiele hinwegschreitet und sich der Ankniipfungen und des still-schweigend Uebergangnen kaum bewusst ist.

Wie können wir nun neue Melodien 6nden? Vielleieht sindwir so gliicklich, einige gute Einfalle zu haben. Allein das kannwenig bedeuten; wir mussen die Gewissheit haben, stetsNeues bilden zu können, dürfen nicht von dem Glück einesguten Einfalls abhangen. Diese Gewissheit aber, die Kraft zuunerschöpflichem'Bilden kann nur aus folgerichtiger Entwi-ckelung gewonnen werden. Wir knüpfen also hei dem bisher Ge-fundnen wieder an.

Woher haben wir die bisherigen Melodien? Aus der Rei-henfolge der Tonstufen; No. 2 bis 7 oder 8 enlhalten nichts an-deres. Doch sind sie in der Verwendung, in der Anordnung derTonstufen von einander unterschiedeu. Wir mussen daher dieseArt der Anwendung naher in das Auge fassen.

Betrachten wir zuerst No. 2, so linden wir hier die Takteganz gleichmassig gebildet, in jedem zwei Töne in aufsteigenderStufenfolge, beide als Viertel. Wenn wir den ersten Takt ken-nen, so wissen wir auch, wie die andern beschaden sind, der ersteist gleichsain das Vorbild der andern, die andern sind ihm nachge-bildet. Eine solche Tongestalt, eine Gruppe von zwei, drei oder