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zu erkennen und zu verwenden. Bei der Arbeit fiir dieselbe findetder Jüriger nur in der Folgerichtigkeit und Zeitgemassheit des Lehr-ganges Sicherheit und Erleiehterung; darum darf ihn auch dieVoraussicbt, dass gewisse in friihern Lehrabscbnilten gegebneVorschriften spater wegfallen werden, nicht -friiher als die Lehrewill, von der Befolgung dieser Vorschriften entbinden.
Hier ist nun iin Voraus eine Ausdrucksweise zu erlautern,die im Laufe der Lehre öfters auflrilt. Oft nennen wir irgend eineTonfolge oder Tonzusammensetzung kurzweg „missfallig, widrig, f£auch wohl ,,falsch und unzulassig,“ und dies muss im Widersprucherscheinen mil der obigen Grundwahrheit. Allerdings sind auchsolche Bezeichnungen unrichtig oder wenigstens ungenau. Von jederKunstgestaltung kann der Wahrheit gemass nur behauptet werden,dass sie an dieser Stelle, unter diesen Umstanden, fiirdiesen Zweck — die rechte sei oder nicht. Hieraus folgt aber,dass das Urtheil nur aus einer Priifung der Verhaltnisse — auseiner Unlersuchung: was diese Tongeslalt besage oderenlhalte, und was der Idee dieses Kunstwerks gemasssei, — hervorgehn könne. Wenn man so urtheilen kann und darf(und dies ist allerdings das einzig recble Urtheilen), dann wirdman nicht sagen: diese Tongestall ist falsch, oder richtig;
sondern : sie hat diesen ïnhall, hat diese Empfindung, Vorslellungangeregt, und dieselbe ist der Idee des Kunstwerkes entsprechendoder nicht; folglich ist die Tongeslalt an dieser Stelle die rechteoder nicht. Dies, wie gesagt, ist die einzig wahre Form des Urtheils.
Allein man begreift leicht, dass im lebhaften Forlgang derLehre nicht immer Zeit ist zu so erschöpfender Untersuchung,dass in den meisten Fallen die Gründe, aus welchen eine Tongestal-tung an diesem Orte missfallig bemerkt wird, schon aus dem Vor-hergehenden ersichtlich sein mussen, oder in andern Fallen die un-mittelbare Anschauung für den Lehrzweck überzeugend genug ist.In all’ diesen Fallen war’ es pedantisch, oder viehnehr unausführ-bar, auf ein erschöpfendes Urtheil auszugehn. Jene verwerfendenoder ablehnenden Aussprüche sind also vorersl nur auf den gegebnenFall zu beziehn, und haben ihre nachste Rechtfertigung in derunmitlelbaren Anschauung, oder in dem Vorausgegangnen.
Die letzte Rechtfertigung, so wie die wissenschaftliche Begrün-dung der Lehre überhaupt ist freilich nur in der Musikwissenschaft,und nicht in diesem Werke zu geben.
12 . Methode der Lehre und Uehumj.
Der Gang der Lehre ist: von der ersten Gestaltung an denSinn jedes wesentlichen Gebildes aufzuweisen, dann die Folgen