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nicht blosses Wissen überantworten. Der KomposiLionsschüIerdarf sich also durchaus nicht daran genügen lassen, alles, wasdie Lehre enthalt, zu verslehn und zu wissen; er muss esselbst hervorbringen können, und zwar in vollkommnerSicherheit und G e la u f i gk e i l. Nur dies darf als wahreKiinstlerbildung geiten.
Der Weg dahin ist unablassiges Bilden und Schaffen.Dies fodert von ihm die unabsehbare Reihe vorhandner und nochhervorzubringender Kunslgestaltungen; dazu ermahnt ihn wiederdas Beispiel der grossen Meister. Deun diese alle erwarben undbewabrten ihre Meisterschaft, wie schon gesagt, nicht anders alsdurch höchst zahlreiche Werke, und wenn hisweilen auch schonihre ersten Gebilde den Stempel genialer Anlagen trugen, so istdoch genau nachzuweisen, welche Massen von Arbeit dazu gehör-ten, sie von diesem unl'ertigen Beginnen zur Vollendung zu heben.— Auch diese Masse der Uebung wird durch geordnete Lehre al-lein möglich und auf das Rechte gelenkt, wahrend selbst der be-gabte Naturalist stets in Gefahr ist, seine vereinzelten Yersuchevon der Balin abirren zu sehn.
Die Uebung muss sich durchaus über alle Formen ver-brciten, selbst wenn besoiidre Neigung zu einer Reihe von For-men vorzugsweise hinzöge, oder eine ïindere weniger zusagte.Denn schon die allgemeine Uebersicht der Lehre zeigt, dass eineGestaltung aus der andern hervortritt und jede nur aus den ihrvoraufgegangnen sicher gefasst werden kann, und dass jede vonihnen eine Seite der Kunst aufdeckt, deren Anblick und Besitznur mit Hülfe dieser Gestaltung gewonnen werden kann. Weralso z. B. sich vorausbestimmen wollte, nur für die Oper zuschreiben, dürfte die Formen der Fuge und andre ahnliche nichtversaumen, so sellen sie auch in Opern angewendet werden; denner lernt an ihnen eine Seite seiner Kunst kennen und benutzen,deren er sonst nie vollkommen machtig wiirde*).
Wer diese Treue und Folgsamkeit gegen die Lehre ver-saumt, wer etwa in dilcttantischcr Wahligkeil und Kunst-schmeckerei über die einfachern und allerdings schon oft ge-brauchten und gehörten Anfange, oder über spatere, villeicht ebenheute nicht moderne Kunstformen hinwegschlüpft, um nur rasch zudem zu gelangen, was ihm interessanter, neuer, eigenthümlicherdünkt: der wird nie in den vollen Besitz seiner Kunst kommen,der wird eben das, wouach er strebt, verfehlen. Denn dieseWahligkeit lasst ihm den grössten Theil der Kunslbildung fremd
') Vergt, hierbei die Einleitung zum zweilen Theile.