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wusst werden kann. Denn es ist natürlich, dass M'ir, unsselber ohne Leitung überlassen, unser Talent oft solchefi Aufgabenzuwenden, zu denen die Voraussetzungen, die volle Anschauungund Vorbildung, fehlen; in diesen, gerade den Begabten amhaufigsten treilenden Fiillen fiihrt dann Misslingen leieht aut'kleinmülhige Zweifel an unsrer Anlage, weil wir noch nicht zuerwagen vermogen, wie weit sie durch Ausbildung gesteigert undgesliilzt werden kann und muss. Wer also lebhaften Trieb insich fühlt, darf das Studium und die Entwikelung seiner Anlagewit Zuversicbt unternehmen und in dem Maass Erfolg boffen, alser dafür arbeitet.
Umgekehrt mag aberauch der Begabteste versicbert sein,dass ohne Lehre und Bildung sein Talent unentwickeltund thallos bleiben muss. Die Meister aller Zeilen, von Bachund Handel bis auf Mozart und Beethoven, waren nicht blos lioch-begabte, sondern auch (jeder nach dem Standpunkte seiner Zeit)durehgebildete Kiinstler; und wo ihre Bildung mangelhaft war,da vermochte auch ihr Genius nicht zur Vollendung zu dringen.Wer dennoch an der Unerlasslichkeit der Vorbildung zweifelnmöchte, der versuche sich nur ohne dieselbe an einer grössernAufgabe, elwa einer Fuge oder einem Symphoniesatze; oder er-wage, wie viel Zeit und Anslrengung ihm schon kleinere Leistun-gen abfodern, in Vergleich mit dem leichten Wirken des Meisters.Und wenn er auch meinen sollle, dass ihm Dies ober Jenes ge-lungen sei und noch Manches, trolz mangelhafler Bildung, ge-lingen werde: so berechne er die Zeit, die das vermeinllich Ge-lungne ihm gekostet, und iiberlege, ob sein Weg ibm wohl ver-heisse, so viel zu schaffen, als ein darauf verwendetes Lebenwerth ist. Man tiiusche sich dabei nicht mit dem Einwand: eskomme nicht auf die Zahl, sondern auf den Werth der Leistungenan. Dies ist von der einen Seite wahr; aber von der andern istes Bedingung bohen Gelingens, dass man viel gearbeitet habe;alle unsre Meister haben sehr viel, ja oft unglaublich vielgearbeitet, und sind .erst dadurch zur Vollendung gelangt.
8 . Vorbildung des Lernenden.
Schon oben (4) ist gesagt, dass die Kompositionslehre nurdiejenigen Kenntnisse voraussetzt, die jeder Slusikausiibende be-sitzen muss und die in der allgemeinen Musiklehre mitgelheilt sind.Möglic h er w eise kann mit ihnen und einem nur geringen Gradevon Ferligkeil in der Ausiibung die Kompositionslehre verstandenuud durchgeiibt werden.