4
(Iers de m Dirigenten u n cl Lelirer ist dieses zur liefsten Ein-sïclit — und ncbenbei zu unzahligen inelliodiscben Vortbeilen und Er-leicbterungen — lïilirende Studium schlechthin u n e n t b e li r 1 i ch.
4. Umfang der Kompositionslehre.
Es ist schon oben die Foderung ausgesprochen worden, dassdie Kompositionslehre den gesammten Inbalt der Tonkunst in siclifassen, Alles, was im weitesten Sinne zur musikalischen Komposi-tion gehort, anschaulieh iiberlieferii miisse. Nur die 1'remden Hüll's-kenntnisse und die jedem Musikübenden (er sei Sanger oderSpieler) nothwendigen Elementar-Musikkenntuisse werdenvorausgesetzt; letzlere, wie sie in der allgemeinen Musiklehre*) vomVerfasser dargestellt sind.
Nach der iiblichen StolFeintheilung muss also die Komposilions-lehre folgende Lehren in sich schliessen :
1. die Rhythmik, oder Lehre vom Rhythmus,
2. die Melodik, oder Lehre von der Melodie,
3. die Harmonik, oder Lehre von der Harmonie,
4. den Iiontrapunkt, oder die Lehre von der Bildung undVerknüpfung mehrerer Stimmen zu einem Ganzen,
5. die Lehre von den Kunstformen,
6. die Lehre vom In s tr u m e nt alsa t ze,
7. die Lehre vom Vokalsatze.
Von diesen sieben Rubriken fallen zuvörderst die erste undvierte mit andern zusammen, so dass nur fünf wesentlich trenn-bare bleiben. Sodann ist leicht eiuzusehen, dass wolil die Be-griffe, nach denen jene Rubriken genannl sind, — Melodie, Har-monie u. s. w. — vom Verstande getrennt festgehalten werdenkönnen, dass aber diese Trennung nur eine abstrakte ist, von derdie Kunst selbst nichts weiss, Es giebt keine Melodie ohne Rhylh-mus, es giebt kein Tonslück, das nur Harmonie ware, es ist auchnicht die kleinste Harmoniefolge ohne Melodie, ja ohne verbundneStimmen oder Melodien denkbar.
Da nun die Kompositionslehre Kunstlehre sein, die Kunst,wie sie ist und lebt, überliefern soll, so darf sie sich auf diesewidernatürliche Trennung nicht weiter, als dringend uothwendig undfördersam ist, einlassen; sie würde sich sonst dem untrennbaren
’) Die allgemeine Musikleh re von A. B. Marx,bei Breilkopf und Hiirlel. 1851.
vierte Auflage.