XIV
dem Augenblick nahe getretcn, wo nur das höchste Vorbildkiinstlerischen Fleisses und künstlerischer Yollendune: zu
O
neuen Vorarbeiten und iieuem Ausharren ermuthigen konnte.
Wer bat die Lehrbücher Kirnberger’s, Marpurg’s,Albrechtsberger’s, Gottfried Weber’s, Reicha’s studirt, diekluge Piidagogik Logier’s beobachtet, oline ibnen für Kennt-niss und Vortheil aller Art vielfiiltiger Schuldner zu werden?Aueh icb hekenne micb ihren und vieler Andrer dankbarenSchiller; und hoffe, dass dieses Werk davon Zeugniss gebenwird, wenn ich aueh seiner Bestimmung und Forin nicbtdurchZitate storend werden wollen. Allein das, was ich rechteigentlich gesucht und bedurft batte : praktische Anleitung,die Anweisung, sicli in den Vollbesitz des Kunstgeschicks zusetzen, der aus den Werken der Meister entgegenstrahlt,sicli einzugewinnen mit Geist und Hand in die wunderreichezauberlebendige Welt, wenigstens in ausserlicher Form derTecbnik ibres Gestaltens machtig zu werden,—das (andich in den Biichern nicbt; icb darf dies unumwunden aus-sprechen, da icb von dem Verdienst jener Wcrke aueh ummich dennoch mebr durcbdrungen bin, als ich hier oder infriihern Schriften zu sagen Gelegenheit batte.
Aus den geliebten Partituren trat immer kenntlicher undweekender ein Geist hervor, der durch alle Kunst unveran-derlich derselbe ist, der die Idee der Kunst aufgehn, dieIdee des besondern Werkes fassen liisst, der aus dieser Idee
— wie schon im Mutterleibe die wirkende Seele ihren künf-tigen Körper — die Form des Werks bis in die letzte Ein-zelheit seines Erscheinens hervorruft, dessen liebeglühendeBethiitigung die Begeisterung des Kiinstlers heisst. Entweder,
— davon iiberzeugte Forscben und eignes Bewusstsein, —sei überall in der Kunst kein geistiger Inhalt, Alles nurMecbanismus und Sinnspielerei; oder der Geist bedinge unddurchwalte das Gauze als einen einigen lebendigen Orgauis-mus, wie die Seele alle Glieder des Menschen. Eine Kunst-lebre, die nicht von diesem Urgrund der Kunst ausgehe und