Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
Seite
XI
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Karakter an: fortwiihrender Arbeit, fortwahrenden Bildensvoo Tongeslaltungen, begleitet von Betracblungen des ebenGebildeten. Indem der Scbiiler gemeinsam mit dem Lehrerinne wird, was er io der jedesmaligen Tongestaltung erhal-ten und was daran noch zu vermissen, findet sich dasNiichst-nüthige oder Nachstmögliche bei fabigern und cifrigernSchülern meist von selber, bei minderbegabten wenigstensso vorbereitet, dass es folgerechten Lehrgang vorausge-setzt obne Schwierigkeit g-efasst wird. So ist der Schuiervon Anfang an in kiinstlerischer Thiitigkeit, in der Atmosphareseines künftigen Lebens; und der Lehrer bleibt ebenfallsin kiinstlerischer Bethiitigung und Frische, bat weder inseiner Seele noch in seinem Werke den alten zerstörendenZwiespalt zwischen Kunst und Lebre zu befahren.

Am lebendigsten und fruchtbarsten bezeigt sich dieseLehre bei der Unterweisung einzelner oder je zweier Schil-ler, die dem Lehrer zur Seite sitzen, ilnn auf die Feder sehnund unversehens oft die Feder selbst zur Hand nehmen,Batb geben mussen, wie man in einer begonnenen Arbcitf'ortfahren könne, wie man den oder jenen zweifelhaften Fallaufzuklaren, zu verbessern, zu vermeiden habe. Je mehr derSchiller dem Lehrer vorzueilen, Erkliirung, Ausweg, weiternFortscbritt selbst zu finden weiss, desto gelungner sclieintmir das Werk des Lehrers. Selbst irrige Vorschlage desSchillers (besonders bei dén grössern Aufgaben der Fugen-,Sonatenform u. s. w.), wofern sie nur irgend eine haltbareSeite liaben, werden gelegentlich aufgenommen und ausge-fiihrt, darnit der Schüler an den irgendwo hervortretendenFolgen seinen Irrthum mit der Wirkung zugleieh erkenne.Ich halte es (wenigstens in der Kunstlehre, da Individualitatund ganz subjektives Empfinden und Wollen doch die letzteEntscheidung' im Momente künstlerischen Schallens geben)nicht fiir gerathen, jeden Irrthum abzuschneiden, son-dern ilin erproben, erkennen und damit in sich selber,mit eigner Kraft überwinden zu lassen. Ueberwundner