Druckschrift 
1 (1852)
Entstehung
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IX
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IX

Dieser Grundsalz, im Verein mit einer aus frühesterJugend an den Kunstwerken und eigner Kunstthatigkeitherangereiften Anschauung vom Wesen der Kunst, befestigtdurch den Anblick der gescbichtlichen Kunstentwickelung,durch die wachsende Zustimmung der Einsichtvollsten unddurcli vieljahrige immer ausgebreitetere Erfalirung-, ist mirjetzt wie in den friihern Bearbeitungen Gesetz gewesen. DasWechselspiel von Lelire und That, von Gesetz und Freiheit,von Form und Inbalt, von Melodie und Harmonie undwie sonst noch die im Wesen einigen Gegensatze heissenimmer lebendiger, beseelender, fruchtbarer anzuregen: dasmusste diesmal aucb vornelimste Aufgabe sein.

Gern möchte icb jiingern oder solchen Lebrern, die noclinicht Gelegenheit gehabt, vervielfaltigte Erfahrungen zusammeln, mit einer Aeusserung über mein Lebrverfahrenentgegenkommen; gewiss nicht in der anmaasslichen Ueber-zeugung, bier Neues oder besonders Wichtiges sagen zukönnen , sondern pflichtmassig und ansprucblos hingebend,was icb eben habe. Allein gerade hier macht sich die Unzu-langlichkeit aller Schrift, unmittelbare Anschauung zu er-setzen, am starksten fühlbar. Nicht Bücher erziehn: dasLeben erzieht; nur wenn Leben durch Leben erweckt istund fortwirkt, kann die Schrift ihren Beruf dann aberauf das Machtigste und Wohlthuendste erfüllen : Erfalirungund Einsicht vieler Leben zu vereinen, Anhalt und Sammel-punkt zu geben, dass nicht jede vereinzelte Existenz mit ihrerim Verhaltniss zum Ganzen immer böcbst bescbriinkten un-mittelbaren Wirksamkeit für sich verkomme und jeder Ar-beiter, unberathen und ungefördert durch die stumm bleibendeMit- und Vorwelt, die Aufgabe von Neuem beginnenoder sich einem dumpf fortgepllanzten Herkommen anschlies-sen miisse, um nur nicht ganz anhaltlos zu sein. O ft undlange genug hat sich der Mangel dieser Weehselwirkung-von Schrift und Leben in unsrer Kunstlehre auf das Nach-theiligste fühlbar gemachtj noch in neuester Zeit haben wir