19)
Johann Jacob Froberger.
875
ses Princip außer in den gedruckten Suiten, wo durchweg die Cou-rante, Sarabande und Gigue in derselben Reihenfolge sich der Alle-mande anschließen, auch in den Suiten des 2. Buches der WienerHandschrift. Hier tritt zwischen die erhaben und gemessen erklingendeWeise der Allemande und die frohe und heitere Courante die Sara-bande, deren Wesen wir in unserem Adagio erkennen. Die einzigeGigue dieses Buches schließt die Vmvll-Suite, sie bildet in ihremleichtfüßigen, ausgelassenen Rhythmus zu der eben erst verklungenensanften Weise der Sarabande den grellsten Gegensatz.
Ein anderes Verfahren in der Gruppirung beobachtet Frobergerin den Suiten des 4. Buches, wo er, abstrahirend von einem ver-söhnenden Schluß durch die Gigue, diese durchweg an die zweiteStelle setzt und die mäßigere Courante vermittelnd zwischen derGigue und Sarabande wirken läßt. In dem trotz des Hellen Odurimposant klingenden Trauerstück, dem Dumauto, welches die Suitender Wiener Handschrift beschließt, trägt die dem äußerst stimmungs-voll komponirten Satz folgende Gigue in dem Zusammenhang denCharakter des Trostes. Welche richtige Erwägungen in ästhetischerBeziehung den Künstler bei der Komposition dieses interessantenStückes leiteten, erkennen wir auch aus der das illanmnto be-schließenden Sarabande, in welcher in Anbetracht des hochpatheti-schen ernsten Inhalts des ersten Satzes an Stelle der sie sonstcharakterisirenden Gravität ein ruhiges, würdiges Gesaßtsein zu em-pfinden ist.
Die bisher genannten Bestandtheile der Froberger schen Suitefinden wir in der I'dur- und der ersten 6 moll-Suite des Tabn-laturmanuskripts durch Doubles erweitert, welche der Allemande,Courante und Sarabande hinzugefügt sind.
Es sind diese Doubles nicht sowohl Variationen in unseremSinne, als vielmehr mit Figuren und „Agrements" verzierte Wieder-holungen der vorangegangenen Melodie. Da nun in vielen Füllendie Courante und auch die Sarabande die Alleinandenmelodie varia-tionenartig behandelte, so entsteht durch Hinzutritt der Doubles so zusagen eine Variation über eine Variation, was dann natürlich leichteine gewisse Schwerfälligkeit und Monotonie zur Folge haben kann,
*) «DLwkiNo soxrs 1s äoloross xsräits äslls Lssl Nssts, äi I'sräi-vsnäo IV. ks äs' Iloinrwi.»
27*