Druckschrift 
Giacomo Meyerbeer : sein Leben und seine Werke
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

322

A. Niggli.

jM

nung, Rue Montaigne Nr. 2, nach dem Nordbahnhof statt. DasTrauergeleit war ein unabsehbares, die ganze Feier von einer Groß-artigkeit wie beim Heimgang eines Fürsten dieser Erde. Die Zipfeldes Tuches, das den durch 6 Pferde gezogenen Leichenwagen be-deckte, trugen der 80 jährige Auber, Direktor des Konservatoriums,Marschall Magnan, Marschall Vaillant und Graf von der Goltz,der preußische Botschafter in Paris. Am reich dekorirten Bahnhofsprachen Beule, Vertreter des Instituts, Saint-Georges Namensder Gesellschaft dramatischer Schriftsteller und Komponisten, BaronTaylor, Vorsitzender des Musikvereins, Direktor Perrin, Ullmann,Oberrabbiner Frankreichs, der Volksvertreter Emil Ollivier. Am8. Mai Abends langte der Sarg in Berlin an und Tags darauferfolgte hier die Beerdigung, an der sich die ganze Stadt bethciligte,Rabbiner Dr. Joel aus Breslau hielt die Leichenrede. Die König-lichen Solosänger trugen einige der von Meyerbeer komponirtengeistlichen Lieder Klopstock's vor. der Opernchor sang B. A. Weber's:Rasch tritt der Tod den Menschen an". Die Stelle, wo Meyer-beer neben seiner Mutter ruht, bezeichnet , eine prunklose marmorneTafel mit Namen, Geburts- und Todesjahr des Komponisten.

Sein Testament entsprach dem echt humanen Sinn, den erstets an den Tag gelegt. Von kleineren Legaten abgesehen, be-stimmte er 10,000 Thlr. zu einer Stiftung für junge Tonkünstler,welche mit den Zinsen Paris, Italien, Deutschland bereisen sollten,10,000 Fr. fiir die Kocüets des kiiit6ui'8 6t ounix> 08 it 6 iii -8 ckrairm-tign68, 10,000 Fr. endlich für die Tssoewlioii Ü68 aiti8t68 mn-81616118 zu Paris. Die Partitur derAfrikanerin" wurde derletztwilligen Anordnung Meyerbeer's entsprechend durch Fetis, denDirektor des Brüsseler Konservatoriums einer sorgfältigen Revisionunterworfen. Am 28. April 1865 fand unter Entfaltung einer bisdahin unerhörten Dekorationspracht bei überfülltem Hanse die ersteAufführung in Paris statt und erregte, obwohl sie über sechs Stun-den dauerte, einen unbeschreiblichen Enthusiasmus. Unmittelbardarauf erschien das Werk, an dem man einige Kürzungen vorge-nommen, auch in London und Madrid, im November 1865 zuBerlin und Darmstadt, um sich in der Folge ans allen größerenBühnen dreier Erdtheilc einzilbürgern. Die Mängel derAfrikanern:"sind wesentlich schon durch den Text bedingt, der wiederum derideellen Einheit entbehrt, statt einer logisch sich entwickelnden Hand-