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gödie aus uns neu erzeugt. Das aber ist die grenzenloseSchwierigkeit: wo soll der moderne Mensch anfangengriechisch zu denken, wann soll er enden? In Wahrheitist der Weg, nachdem man sich jenen Defect deutlichgemacht hat, sehr schwer zu finden. Nur analoge fastgriechisch zu nennende Erscheinungen unserer Weltkönnen uns jetzt weiterhelfen: wie das Gleiche immer nurvom Gleichen und am Gleichen erkannt wird. So pflegtder bessere Theil unserer gegenwärtigen Gelehrten Goethezu benutzen, um von ihm sich zu den Griechen geleitenzu lassen: andre nehmen Rafael zu Hülfe. Ich haltemich an die Erfahrungen, welche ich Richard Wagnerverdanke.. Die sogenannte historisch-kritische Wissen-schaft hat gar kein Mittel, so fremden Dingen näherzu kommen: wir brauchen Brücken, Erfahrungen, Erleb-nisse: dann wiederum brauchen wir Menschen, die sieuns deuten, die sie aussprechen. So glaube ich im Rechtzu sein, von dem Eindrücke auszugehen, den eine Tristan-aufführung im Sommer 1872 auf mich hervorbrachte.
Ich gewahrte einmal, nach der plastischen Seiteder Darstellung hin, eine durchgreifende Differenz gegendie plastische Darstellung unserer Schauspieler in schiller’ -sehen und shakespear’schen Rollen, ebenso wie der Sängerin Opern. Ganz abgesehn von dem Talente der Dar-stellenden, war ein unwillkürliches Streben bemerkbar,auch in den leidenschaftlichsten Momenten eine ruhigeGrösse zu bewahren: im wesentlichen sah man edle,mässig bewegte, zumeist fast ruhende plastische Gruppen.Mir gefiel, dass die moderne Rastlosigkeit hier einemStreben nach Plastik gewichen war. Ich sagte mir, dassdie Musik und das Singen wohl der Grund sein müssten,weshalb sich nichts so schnell bewegte wie im gemeinenLeben und wie in der gesprochenen Tragödie. Der ge-