und Herkunft. Unsere barbarische (oder germanische)Rhythmik versteht unter Rhythmus die Aufeinanderfolgevon gleich starken Affect - Steigerungen, getrenntdurch Senkungen. Das giebt unsere älteste Form derPoesie: drei Silben, jede einen Hauptbegriff aus-drückend, drei bedeutungsvolle Schläge gleichsam andas Sensorium des Affectes — das bildet unser ältestesVersmaass. (In unsrer Sprache hat im Durchschnitt diebedeutungsschwerste Silbe, die Affect - dominirendeSilbe den Accent, grundverschieden von der antikenSprache.) Unser Rhythmus ist ein Ausdrucksmitteldes Affects: der antike Rhythmus, der Zeit-Rhythmus,hat umgekehrt die Aufgabe, den Affect zu beherrschenund bis zu einem gewissen Grade zu eliminiren. DerVortrag des antiken Rhapsoden war extrem leidenschaft-lich (— man findet im Jon Platon’s eine starke Schilderungder Gebärden, der Thränen u. s. w.): das Zeit-Gleich-maass wurde wie eine Art Öl auf den Wogen empfunden.Rhythmus im antiken Verstände ist, moralisch undästhetisch, der Zügel, der der Leidenschaft ange-legt wird.
In Summa: unsre Art Rhythmik gehört in die Pa-thologie, die antike zum „Ethos“ . . .
17. Aristoteles als Ästhetiker.
(1871.)
Ich durfte mir vergönnen, einige Schritte zu thun,ohne dass der übliche Fackelträger in der Höhle dergriechischen Poetik, Aristoteles, mich begleitet hätte.Man wird doch endlich einmal aufhören, ihn auch fürdie tieferen Probleme der griechischen Poetik immer und