ist eine Art Metaphysik der Liebe; sie ist ein Strebenund Wollen in einem Reich, welches dem gewöhnlichenBlick wie das Reich des Nichtwollens erscheint, ein sichBaden im Meere der Vergessenheit, ein rührendes Schatten-spiel vergangener Leidenschaft.
3. Zum neunten Abschnitt.
1.
Der rhythmische Sinn im Grossen. Die Anlagejedes wagner’schen Dramas ist von einer Einfachheit,welche noch grösser ist als die der antiken Tragödie,und dabei ist die dramatische Spannung die höchste.Dies liegt in der Wirkung der grossen Formen, ihrerGegensätze, ihrer einfachen Bindungen, das ist das Antikean dem Bau dieser Dramen. — Man durchdenke die Ein-leitungen der drei einzelnen Acte, das Verhältniss derdrei Acte zu einander: hier zeigt sich eine schlichteGrösse des Baumeisters, welche in der modernen Dich-tung überhaupt nicht ihres Gleichen hat. Die Spannungberuht auf den Höhenverhältnissen der Leidenschaften, nie-mals auf dem Effect des neuen und überraschenden Schau-spiels. Ich wünschte mir den Grad von rhythmischerAugen-Begabung, um über das ganze Nibelungenwerkin gleicherweise hinschaun zu können,wie es in einzelnenWerken mir mitunter gelingt: aber ich ahne da noch einebesondere Gattung rhythmischer Freuden des höchstenGrades. Die Rheintöchterscene mit Siegfried im vorletztenAct des letzten Dramas und die Rheintöchterscene mitAlberich im ersten Act des ersten Dramas; der Liebes-jubel der sich Findenden, Siegfried’s und Brunnhildens,