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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
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bald heidnisch-deutsche Mythen nimmt, bald protestan-tisches Bürgerthum, so ist deutlich, dass er über der reli-giösen Bedeutung dieser Mythen frei steht und diesauch von seinem Zuhörer verlangt; so wie die griechi-schen Dramatiker darüber frei standen, und schonHomer. Auch Aschylus wechselte nach Belieben seineVorstellungen, selbst von Zeus. Fromm ist ein Dichterniemals. Es giebt keinen Cultus, keine Furcht, Angstund Schmeichelei vor den Göttern, man glaubt nichtan sie. Der Grieche, der im Bühnenhelden in aber-gläubischer Weise den Gott sah, war nicht der Zu-schauer, den Aschylus wollte. Die Religiosität der Götzenund Fetische muss vorüber sein, wenn jemand so frei inVorgängen denken soll, als Dichter. Wagner fand einenungeheuren Zeitpunkt vor, wo alle Religion aller frühe-ren Zeiten in ihrer dogmatischen Götzen- undFetisch Wirkung wankt: er ist der tragische Dichteram Schluss aller Religion, derGötterdämmerung. So hater die ganze Geschichte sich dienstbar gemacht, er nimmtdie Historie als sein Denkbereich in Anspruch: so un-gemein ist sein Schaffen, dass er durch alles Gewordenenicht erdrückt wird, sondern nur in ihm sich auszusprechenvermag. In welchem Lichte sieht er nun alles Ge-wordene und Vergangene? Die wunderbare Bedeutungdes Todes ist hier voranzustellen: der Tod ist das Ge-richt, aber das frei gewählte, das ersehnte Gericht, vollschauerlichen Liebreizes, als ob es mehr sei als eine Pfortezum Nichts. Der Tod ist das Siegel auf jede grosseLeidenschaft und Heldenschaft, ohne ihn ist das Daseinnichts werth. Für ihn reif sein ist das Höchste, was er-reicht werden kann, aber auch das Schwierigste und durchheroisches Kämpfen und Leiden Erworbene. Jeder solcheTod ist ein Evangelium der Liebe, und die ganze Musik