250
die Minoritäten benutzt werden zum Wöhle der Majori-täten, sondern dass die Einzelnen dem Wohle der höch-sten Einzelnen untergeordnet werden. Die höchstenEinzelnen sind die schöpferischen Menschen, sei es diebesten moralischen oder sonst im grossen Sinne nütz-lichen, also die reinsten Typen und Verbesserer derMenschheit. Nicht die Existenz eines Staates um jedenPreis, sondern dass die höchsten Exemplare in ihmleben können und schaffen können, ist das Ziel des Ge-meinwesens. Das liegt auch der Entstehung der Staatenzu Grunde, nur dass man oft eine falsche Meinung hatte,was die höchsten Exemplare seien: oft die Eroberer, Dy-nastien u. s. w. Ist die Existenz eines Staates nicht mehrzu erhalten, so dass die grossen Individuen in ihm nichtmehr leben können, so entsteht der schreckliche Noth-und Raubstaat, wo die stärksten Individuen sich anStelle der besten setzen. Aufgabe des Staates ist nicht,dass möglichst viele darin gut und sittlich leben: auf dieZahl kommt es nicht an, sondern dass überhaupt in ihmgut und schön gelebt werden könne, dass er die Basiseiner Cultur abgebe. Kurz: die edlere Menschlichkeitist das Ziel des Staates, sein Zweck liegt ausser ihm, erist Mittel.
Jetzt fehlt das, was alle partiellen Kräfte bindet: undso sehen wir alles feindselig gegen einander, und alleedlen Kräfte in gegenseitig aufreibendem Vernichtungs-krieg. Dies soll an der Philosophie gezeigt werden: siezerstört, weil sie durch nichts in Schranken gehaltenwird. Der Philosoph ist zu einem gemeinschädlichenWesen geworden. Er vernichtet Glück, Tugend, Cultur,endlich sich selbst. — Sonst muss er im Bündniss derbindenden Kräfte sein, als Arzt der Cultur.