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10 : Abth. 2, [Nachgelassene Werke] ; Bd. 2 (1896) Schriften und Entwürfe 1872 bis 1876 : Die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen; Über Wahrheit und Lüge im aussermoralischen Sinne; Der Philosoph; Die Philosophie in Bedrängniss; Nachträge und Vorarbeiten zu den Unzeitgemässen Betrachtungen; Prometheus; Einzelne Gedanken und Entwürfe
Entstehung
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die Minoritäten benutzt werden zum Wöhle der Majori-täten, sondern dass die Einzelnen dem Wohle der höch-sten Einzelnen untergeordnet werden. Die höchstenEinzelnen sind die schöpferischen Menschen, sei es diebesten moralischen oder sonst im grossen Sinne nütz-lichen, also die reinsten Typen und Verbesserer derMenschheit. Nicht die Existenz eines Staates um jedenPreis, sondern dass die höchsten Exemplare in ihmleben können und schaffen können, ist das Ziel des Ge-meinwesens. Das liegt auch der Entstehung der Staatenzu Grunde, nur dass man oft eine falsche Meinung hatte,was die höchsten Exemplare seien: oft die Eroberer, Dy-nastien u. s. w. Ist die Existenz eines Staates nicht mehrzu erhalten, so dass die grossen Individuen in ihm nichtmehr leben können, so entsteht der schreckliche Noth-und Raubstaat, wo die stärksten Individuen sich anStelle der besten setzen. Aufgabe des Staates ist nicht,dass möglichst viele darin gut und sittlich leben: auf dieZahl kommt es nicht an, sondern dass überhaupt in ihmgut und schön gelebt werden könne, dass er die Basiseiner Cultur abgebe. Kurz: die edlere Menschlichkeitist das Ziel des Staates, sein Zweck liegt ausser ihm, erist Mittel.

Jetzt fehlt das, was alle partiellen Kräfte bindet: undso sehen wir alles feindselig gegen einander, und alleedlen Kräfte in gegenseitig aufreibendem Vernichtungs-krieg. Dies soll an der Philosophie gezeigt werden: siezerstört, weil sie durch nichts in Schranken gehaltenwird. Der Philosoph ist zu einem gemeinschädlichenWesen geworden. Er vernichtet Glück, Tugend, Cultur,endlich sich selbst. Sonst muss er im Bündniss derbindenden Kräfte sein, als Arzt der Cultur.