zu enthalten und sich viel zu versagen, um die Herr-schaft über sich nicht zu verlieren. Ihre Worte überMoral gehen überall von dem lebendigen Beispiele solcheraus, die, wie diese Worte lauten, gelebt haben. Ich weissnicht, von welchen fernen und seltenen Dingen diemodernen Ethiker reden: sie sehen den Menschen wieein wunderlich spiritistisches Wesen, sie scheinen es fürunanständig zu halten, den Menschen so nackt-antik zubehandeln und von seinen vielen nöthigen, obzwar nied-rigen Bedürfnissen zu reden. Die Schamhaftigkeit gehtso weit, dass man glauben möchte, der moderne Menschhabe nur noch einen Scheinleib. Ich glaube, dass dieVegetarianer, mit ihrer Vorschrift, weniger und einfacherzu essen, mehr genützt haben als alle unsere Moral-systeme zusammengenommen: auf etwas Übertreibungkommt nichts dabei an. Es ist kein Zweifel, dass dieeinstmaligen Erzieher den Menschen auch wieder einestrengere Diät vorschreiben werden. Man glaubt durchLuft, Sonne, Wohnung, Reisen u. s. w. die modernenMenschen gesund zu machen, eingeschlossen die medi-cinischen Reize und Gifte. Aber alles, was dem Menschenschwer wird, scheint nicht mehr an geordnet zu werden:auf angenehme und bequeme Art gesund und krank zusein, scheint die Maxime. Doch ist es gerade die fort-gesetzte kleine Maasslosigkeit, das heisst der Mangel anSelbstzucht, der zuletzt als allgemeine Hast und Impotenzsich zeigt.
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Neigung der Zeit für die starken Einseitigkeiten,weil sie doch wenigstens noch Lebenskraft verrathen:Kraft aber muss da sein, bevor etwas gebildet werdenkann. Ist Schwäche da, so ist die Bemühung auf’s